Zeitung Heute : Unicode - alle Sprachzeichen der Welt auf einem Rechner

MARKUS RIMSCHA

Unicode ist weltumspannend. Wer hat sich nicht schon darüber geärgert, daß in E-Mails die Umlaute fehlen und durch kryptische Symbole ersetzt wurden? Auf einer deutschen Tastatur ist es kaum möglich, sämtliche Akzente der französischen Sprache mit vertretbarem Aufwand zu erzeugen. Völlig aussichtslos ist der Versuch, beispielsweise bei einer japanischen Internetseite vorbeizusurfen.Ein Grund für all diese Schwierigkeiten liegt darin, daß der gängige Zeichensatz von Computern lediglich 256 Symbole kennt. Das reicht zwar für alle Buchstaben, Umlaute und Ziffern der deutschen Sprache problemlos aus. Auch Satzzeichen sowie einige grafische Symbole und Steuercodes lassen sich unterbringen. Die Grenzen sind aber schnell erreicht, und schon die Einführung des Symbols für den Euro war nicht einfach.Im Zeitalter der Globalisierung kann man sich aber nicht mehr nur auf den eigenen Sprachraum beschränken. Das Ziel sollte sein, sämtliche Sprachen darstellen zu können - zumindest die am weitesten verbreiteten. Bereits 1988 wurde damit begonnen, sich dieses Problems anzunehmen, es entstand das Unicode-Konsortium. Der neu geschaffene Standard bietet immerhin Platz für 65 536 Zeichen, wohl für die meisten Sprachen der Welt ausreichend. Bei der Gelegenheit wurde auch darauf geachtet, den Datenaustausch zwischen verschiedenen Rechnertypen zu vereinfachen, ohne die entsprechenden Dateien überarbeiten zu müssen.Die erforderliche Umstellung der gängigen Software auf das Unicode-Konzept sollte allerdings nicht unterschätzt werden. Zuerst einmal müssen natürlich die entsprechenden Schriftsätze auf dem Rechner installiert sein - welcher europäische Anwender hat schon japanische Schriftzeichen auf seinem Computer ? Daneben müssen die benutzten Anwendungsprogramme Dateien im Unicode-Format verarbeiten. Für die meisten Privatanwender wäre es sicherlich übertrieben, viel Geld und Zeit in die entsprechenden Erweiterungen zu investieren, die sich im Laufe der Zeit ohnehin etablieren dürften. MARKUS VON RIMSCHA

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