Zeitung Heute : Unis lassen die Kassen klingeln

Berlin hat allen Grund, die finanzielle Basis seiner Hochschulen zu sichern

Gert G. Wagner

Wenn der Berliner Senat bei den Hochschulen spart, ist das schlicht unvernünftig. Die Hochschulen sind nicht nur ein Aushängeschild, das das kulturelle Leben der Hauptstadt bereichert. Sie lohnen sich auch wirtschaftlich. Im Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) haben wir ausgerechnet, dass die vom Land für die Hochschulen ausgegebenen Mittel von knapp 1 Milliarde Euro pro Jahr knapp 3 Milliarden Euro an Wertschöpfung erbringen. Denn ein Student gibt pro Monat etwa 750 Euro aus, und die über 100 Firmen, die beispielsweise TU-Absolventen in den letzten Jahren gegründet haben, beschäftigen etwa 6200 Erwerbstätige in Berlin. Die Hochschulen nehmen pro Jahr insgesamt etwa 300 Milliarden Euro ein, die nicht aus dem Berliner Landeshaushalt kommen, zum Beispiel Drittmittel für Forschungsprojekte.

Solche Einnahmen sollten ausgebaut werden. Denn da es sinnvoll und wünschenswert ist – wie auch der Wissenschaftsrat unterstreicht, dass Berlins Hochschulen 85 000 Studienplätze halten, können sich die Hochschulen nicht allein auf Landesmittel verlassen. Universitäten und Fachhochschulen brauchen – unabhängig von den Landeszuschüssen nach Auslaufen der Hochschulverträge im Jahr 2005 – mehr Souveränität auf der Einnahmeseite.

Die Berliner Hochschulen und das Land Berlin sollten es riskieren, Studiengebühren für ein Erststudium einzuführen – und sich im Bund dafür einsetzen, dass das BAföG rasch ausgebaut wird, um ein Studium nicht vom Geldbeutel der Eltern abhängig zu machen. Berliner Hochschulen können durch moderate Studiengebühren nennenswerte Einnahmen erzielen; denn die Hauptstadt ist als Studienort überaus attraktiv und die Wohnungen für Studenten werden auf absehbare Zeit preiswert bleiben. Damit trotz der Gebühren Studenten nach Berlin kommen, müssen die Universitäten natürlich eine überdurchschnittlich gute Lehre anbieten. Nicht alle Studiengänge eignen sich dafür. Dort, wo Gebühren eingeführt werden, müssen die Hochschulen auch das Recht bekommen, ihre Studenten selbst auswählen zu dürfen. Vor allem aber darf der Senat die Studiengebühren nicht von der Landeszuwendung abziehen.

Ohne gesetzliche Probleme können die Universitäten schon jetzt beginnen, als international sichtbare Leuchttürme englischsprachige Doktorandenprogramme zu entwickeln und Top-Studenten aus dem Ausland in die Hauptstadt locken. Für derartige Doktorandenprogramme ist Berlin ein idealer Standort, denn hier – und nicht zuletzt auch in Potsdam – gibt es eine Vielzahl außeruniversitärer Einrichtungen, die in diesen Doktorandenprogrammen mitarbeiten können. Dafür dürften sogar schon jetzt – völlig legal – Studiengebühren erhoben werden. Und die werden auch gezahlt, wenn die Qualität von Lehre und Forschung stimmt.

Der Autor ist Professor für Volkswirtschaftslehre an der TU und Forschungsdirektor am DIW Berlin.

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