Zeitung Heute : Unkraut statt Götterspeise Ambrosia ruiniert Ernten und löst Allergien aus

Dorothée Waechter (dpa
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In der griechischen Mythologie macht eine Speise namens Ambrosia die Götter unsterblich. Für viele Menschen ist die Pflanze Ambrosia aber einfach nur eine Plage. Denn das Unkraut quält immer mehr Allergiker und beschert Landwirten Ernteausfälle.

Schuld daran, dass Ambrosia sich immer weiter verbreitet, ist unter anderem Vogelfutter. „Rund um das Vogelhäuschen und unter Sträuchern, in die man im Winter Meisenknödel gehängt hat, finden Hobbygärtner im Frühsommer Sämlinge der beifußblättrigen Ambrosia“, sagt Beate Alberternst von der Projektgruppe Biodiversität und Landschaftsökologie in Friedberg. Die etwa fünf Millimeter großen Samen sind im Futter, weil die Fruchtstände des einjährigen Ackerunkrauts zusammen mit den Sonnenblumen reifen und geerntet werden. Eine Vermischung ist kaum zu verhindern. Daneben wird die Pflanze durch landwirtschaftliche Maschinen verbreitet, die die Samen durch die Luft wirbeln.

„Seit Mitte des 19. Jahrhunderts ist die beifußblättrige Ambrosia, botanisch Ambrosia artemisiifolia, in Deutschland bekannt“, sagt Uwe Starfinger, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen (Julius-Kühn-Institut) in Braunschweig. „Mit Kleesaat und Getreide wurden die Samen einst aus Amerika eingeschleppt.“ Die Ausbreitung in Europa setzte aber erst mit dem Klimawandel so richtig ein. Das Ackerunkraut ist wenig wählerisch und gedeiht auf feuchten wie auf trockenen Böden. Brachflächen besiedelt es bevorzugt, da es dort wenig konkurrierende Pflanzen gibt. „Gräser und eine gezielte Bepflanzung können es zwar verdrängen. Aber die Samen bleiben im Boden sehr lange keimfähig“, sagt Starfinger. In Ungarn, Italien und im östlichen Frankreich wird die Ambrosia schon zur Plage: Die Länder melden Ernteeinbußen bei Soja, Mais und Sonnenblumen.

Die Ambrosia hat keine auffälligen Merkmale, an denen sie leicht auszumachen und somit zu vernichten wäre. Sie hat sogar Doppelgänger und wird mit dem gewöhnlichen Beifuß, Wermut und der wilden Möhre verwechselt. „Sind die Blätter unterseits grün und der Stängel deutlich abstehend behaart, ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass es sich um eine Ambrosia handelt“, sagt Albert- ernst.„Um sie zu vernichten, reißt man sie vor der Blüte mit der Wurzel aus.“ Hat sich bereits der kandelaberartig verzweigte Blütenstand gebildet, muss man zunächst den Blütenstiel abschneiden und mit dem Restmüll entfernen. Dann wird auch die Wurzel ausgerissen.

Wer empfindlich ist, zieht bei dieser Arbeit am besten Handschuhe an. Allergiker sollten sich unbedingt Hilfe holen, denn „schon eine geringe Konzentration von fünf bis zehn Körnern pro Kubikmeter Luft reicht aus, um allergische Reaktionen auszulösen“, sagt Uwe Starfinger. Dorothée Waechter (dpa)

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