Zeitung Heute : Unnötig plakativ - Ein Zeitzeuge über Guido Knopps ZDF-Fünfteiler

Klaus Fischer

Adolf Hitlers Hand zitterte. Ein beeindruckendes Bild. Dass seine Hand seit dem Attentat beschädigt war, war bekannt. Aber hier habe ich es zum ersten Mal gesehen: Wie die linke Hand hinter dem Rücken zitterte, als er Soldaten der Hitlerjugend dekorierte. Wegen einer Krankheit? Aus Anspannung? Jedenfalls ein Zeichen für die eigentliche Schwäche des Mannes, der unsere ganze Generation geprägt hat - ob wir es wollten oder nicht.

Auch die letzte Folge der Serie "Hitlers Kinder" hatte Überraschungen parat. Das Zusammenspiel von Zeugenaussagen und Filmdokumenten war überzeugend: So muss es gewesen sein. Aber nicht überall. Diese Ergänzung hat uns die Serie verschwiegen, und das macht ein Problem deutlich: Was sich in Königsberg oder Berlin ereignet hat, muss in Reutlingen oder Heilbronn nicht genau so stattgefunden haben. Darin war die Serie unnötig plakativ. Bei fünf Folgen über jeweils eine Dreiviertelstunde wäre eine Differenzierung möglich gewesen - und wünschenswert.

Ein Beispiel: Die Hitlerjugend hatte einen hohen Freizeitwert. Zeltlager, Lagerfeuer, gemeinsame Märsche, Schießen mit dem Kleinkalibergewehr - Jugend ist leicht zu begeistern. Ob man die Ideologie teilte, hing vom Elternhaus ab. Da hatte die Verführung ihre Grenzen. Auch wir sind für Dienste herangezogen worden, etwa in den Löschtrupps, die in Bombennächten die Feuerwehren unterstützten. Aber bei der Rekrutierung für den Krieg ging es bei uns nur um Hilfsdienste.

Die Serie war sehenswert. Sie machte deutlich, in welchem Umfeld diese Generation aufgewachsen ist. Es war richtig, die Aussage eines Zeitzeugen an den Schluss zu stellen: Die Frage, ob man mitgemacht hätte oder nicht, stellt sich heute leicht.Der Autor, Jahrgang 1929, gehört zu der Generation von "Hitlers Kindern". Fischer wuchs in Stuttgart auf. Obwohl er bei der Hitlerjugend war, wurde er für den Volkssturm nicht mehr gezogen.

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