Zeitung Heute : Uns blüht der Frühling

Die japanische Kirschblüte steht auch hierzulande für Schönheit, Aufbruch und Vergänglichkeit.

Unbestritten ist, dass die Zeit der Kirschblüte in Japan ein besonderes Ereignis darstellt und jedes Jahr Tausende von Touristen ins Land der aufgehenden Sonne lockt. Dann pilgern Heerscharen zu den unzähligen Parks und Gärten, die mit der Zahl blühender Bäume um die Gunst von Besuchern wetteifern. Der berühmteste Ort ist das Dorf Yoshino, südlich von Nara, das auf einer Hügelkette liegt und von einer traumhaften Landschaft umgeben ist. Schon in den Frühzeiten Japans von den shintoistischen Naturgeistern, den „Kamis“, geliebt, gründete man auf den Hügeln im 6. Jahrhundert Klöster und pflanzte als Wertschätzung immer mehr Kirschbäume. Inzwischen gibt es auf den Hügeln über 70 000 davon, die je nach Höhenlage im Verlaufe des April erblühen.

Auch in unseren Breiten entfaltet sich ab April die üppige Pracht der Japanischen Blütenkirschen (Prunus serrulata). Die Wildform selbst ist seltener in Kultur, dafür aber zahlreiche schöne Sorten. Sie unterscheiden sich durch Wuchsform, Größe und Blütenfarben, die weiß und rosa sein können. Schön und prächtig sind sie alle, für kleine Gärten sollte man allerdings mit Bedacht wählen und sich auf kleinkronige Sorten oder Säulenformen beschränken. Nur wer ausreichend Platz hat, kann die bewährte und weit verbreitete Sorte ,Kanzan’ wählen, die sechs bis acht Meter hoch wird und einen Kronendurchmesser von sechs Meter erreicht. Die großen, vier Zentimeter breiten und kräftig rosa gefärbten Blüten erscheinen im Mai, hängen zu mehreren in Büscheln herab und verströmen ein zarten Duft.

Für kleine Gärten ist besonders die säulenförmig wachsende Sorte ,Amanogawa’ empfehlenswert. Sie wächst straff aufrecht und erreicht dabei etwa sechs Meter Höhe. Ende April öffnen sich mit dem Austrieb der Blätter die einfachen bis halb gefüllten, leicht duftenden Blüten in zartem Rosa. Diese Sorte benötigt einen windgeschützten Standort, damit sich die schmale Krone nicht verformt oder auseinanderfällt.

Langsamer Wuchs bis etwa sechs Meter Höhe und eine flache Krone ist das Markenzeichen der Sorte ,Fugenzo’, die schon seit mehr als 1000 Jahren in Japan bekannt ist. Ihre Blüten sind ziemlich groß, halb gefüllt und hängen in langgestielten Doldentrauben zwischen dem kupferroten Laub herab. Der weiße Pendant dazu ist die Sorte ,Taihaku’, die mit ihren einfachen, bis sechs Zentimeter breiten Blüten als die schönste weiß blühende Sorte gilt. Sie erscheinen Ende April in lockeren Büscheln und werden von einem kupferroten Blattaustrieb begleitet.

Wer eine Blütenkirsche mit hängendem Wuchs sucht, kann die sechs Meter hohe und vier Meter breite Sorte ,Kiku-shidare-sakura’ wählen. Damit sie gut zur Geltung kommt, sollte sie frei stehen. Ihre Äste stehen sparrig ab, um dann schleppenartig überzuhängen und sich im April dicht mit dunkelrosa gefärbten, gefüllten Blüten zu schmücken, die in Büscheln erscheinen. Als weiß blühende Hängekirsche ist die Sorte ,Shimidsu-sakura’ empfehlenswert. Sie bleibt allerdings recht klein und erreicht in der Wuchshöhe kaum mehr als die Veredlungshöhe. Die Äste und Zweige hängen in breitem Bogen über und bilden eine äußerst dekorative, breit gewölbte Krone. Die reinweißen Blüten entfalten sich aus rosa getönten Knospen und sitzen in 15 bis 20 Zentimeter langen Doldentrauben zusammen,

Wesentlich seltener sieht man in den Gärten die Sorten der Higan-Kirschen (Prunus subhirtella). Sie bleiben kleiner als die Japanischen Blütenkirschen und sind besonders für kleine Gärten sehr wertvoll. Sie wirken recht grazil. Bei milder Witterung erscheinen die ersten Blüten schon im Winter, die Hauptblüte folgt März bis April. Eine der ältesten Sorten ist ,Autumnalis’, die in Japan schon seit 1500 in Kultur ist und um 1900 nach Europa kam. Der Baum bildet eine lockere Krone aus feinen Zweigen, die leicht übergeneigt sind und mit einer Fülle von weißen, in der Knospe rosa gefärbten, zwei Zentimeter Durchmesser erreichenden Blüten dicht besetzt ist. Das Gegenstück dazu ist ,Fukubana’, die als die schönste Sorte der Higan-Kirschen gilt. Die drei Zentimeter breiten, rosa gefärbten, halb gefüllten Blüten haben tief eingeschnittene Blütenblätter und wirken daher recht apart.

Bei der Auswahl des Standortes für alle Blütenkirschen kommt es im Garten darauf an, dass die Pflanze zwar gut sichtbar ist, aber nicht unbedingt im Vordergrund steht, weil die Zeit ihrer prächtigen Wirkung nur kurz ist. Es sei denn, man wählt Sorten mit Stammhöhen von zwei Meter und breiter Krone als Schattenspender an der Terrasse oder in einen Teil des Gartens, der als Sitzplatz gedacht ist.

Alle Blütenkirschen lieben einen freien, sonnigen Platz und gedeihen auf jedem einigermaßen gepflegten Boden, der nicht zu stark austrocknet und durchlässig ist. Nur schwere und nasskalte Böden sagen ihnen nicht zu. Auf solchen ungünstigen Standorten leiden die Pflanzen im zunehmenden Alter und nach Verwundungen unter Gummifluss, gegen den man nicht viel ausrichten kann. Überhaupt ist die Lebenserwartung der Blütenkirschen nicht sehr hoch, nach etwa 20 Jahren Standzeit verlangsamt sich das Wachstum und die Pflanzen beginnen zu vergreisen. Um dem vorzubeugen, empfiehlt sich gelegentliches Auslichten zu dichter Kronen und einfühlsamer Rückschnitt nach der Blüte.

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