Zeitung Heute : Uns körperlich ertüchtigen

Wie ein Vater Berlin erleben kann

Markus Huber

WAS MACHEN WIR HEUTE?

Foto: Marion Schweitzer

Mein Mädchen, ganz ehrlich, hat es nicht so mit der Fitness, und das ist sonderbar. Denn in puncto Vorbereitung und Ausstattung wäre sie top: In ihrer Kemenate türmen sich Adidas-Laufschuhe und Nike-Jogginganzüge, sie besitzt Ballett-Schuhe, einen Tretroller, einen normalen Roller und so viele Fußbälle, dass man damit problemlos ein Trainingslager von Herthas C-Knaben ausstatten könnte. Aber offenbar glaubt sie, das wären immobile Einrichtungsgegenstände. Denn wenn es dann tatsächlich um ihre Bewegung geht, streikt sie. „Papa, trag mich“, sagt sie, wenn sie auch nur einen Meter vor die Tür muss. Und sie bewegt sich tatsächlich erst dann, wenn ich sie schultere.

Dabei wäre sie durchaus für Fitness-Fragen zu begeistern. Sie mag Radrennen im Fernsehen. Sie sieht es gerne, wenn ihre Mutter auf einem Minitrampolin hüpft und nach 20 Minuten hopsen tatsächlich glaubt, sie hätte soeben genauso viele Kalorien verbrannt wie ein Marathonläufer. Und als ich kürzlich wieder mal während der Premiere-Übertragung von Casino Salzburg vs Rapid-Wien mein Rapid- Wien Auswärts-Trikot trug, sagte mein Mädchen „Papa, das ist wahnsinnig schön“.

Aber Sport ist offensichtlich das, was die anderen machen. Was sie macht, ist „faul sein“. Kann es das sein? Nein. Also muss sie begeistert werden. Und ich versuchte, sie bei ihrer Ehre als It-Girl zu packen. Dafür ist es, wie meine empirischen Untersuchungen in der Kita-Gruppe ergeben haben, nie zu früh. Und dieses Konzept hatte auch bisher ohne mein Zutun schon ganz gut funktioniert: Als Nina ein neues Kleid bekam, wollte mein Mädchen genau das gleiche. Als Bo beschloss, mittags nur noch mit einer Mütze zu schlafen, tat sie das auch. Und als der an sich friedliebende Conan eines Nachmittags die nicht unoriginelle Idee hatte, seine Sandschippe stundenlang auf den Kopf von Luna zu dreschen, dauerte es nur wenige Minuten, bis Luna zwei Sandschippen auf ihrem Kopf spürte.

Neulich kam Luna mit einem dieser schicken Laufräder in die Kita-Gruppe. Mein Mädchen war begeistert. Ich war begeistert. Wir machten einen neuen Anfang und gingen zum Fahrradladen meines Vertrauens. Dort schoss ich ihr um nicht allzu viel Geld ebenfalls so ein Laufrad. Ich entschloss mich für die Country-Variante, schließlich wohnen wir im Osten, und die Schlaglöcher in Mitte simulieren die Forstwege auf dem Land ganz gut.

Mein Mädchen war begeistert und fand das Laufrad tatsächlich todschick – ihr gefielen der Lenker, der Sattel, und als ich ihr auch noch einen roten Helm dazu kaufte, sagte sie, dass sie damit gleich nach Hause fahren wolle.

Ich war glücklich. Vor dem Radladen setzte ich sie auf das Laufrad und erklärte ihr, wie das Rad läuft. Sie hörte zu. Sie machte einen Versuch. Sie fiel auf die Nase. Und dann sagte sie ihren Lieblings-Satz: „Papa, trag mich.“ Gut, dass das Laufrad nicht sehr schwer ist.

Die neuen Laufräder von Like-a-Bike kosten 149 Euro und sind im gutsortierten Fahrradladen erhältlich u.a. in der Fahrradstation Hackesche Höfe, Rosenthaler Straße 40/41, 10178 Berlin. Nähere Infos: www.Likeabike.de

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