• Unter Aufsicht von Bausenatorin Jakubeit entsteht in Habichtshorst eine Vielfalt verschiedener Einfamilienhäuser zum Teil unter 300 000 DM

Zeitung Heute : Unter Aufsicht von Bausenatorin Jakubeit entsteht in Habichtshorst eine Vielfalt verschiedener Einfamilienhäuser zum Teil unter 300 000 DM

Christof Hardebusch

Dieser Wohnpark steht unter Aufsicht. Vor jeder Vergabe eines neuen Baufeldes tritt eine Jury unter Leitung von Senatsbaudirektorin Barbara Jakubeit zusammen und achtet auf die architektonische Vielfalt in der Marzahner Eigenheimsiedlung "Habichtshorst" (13). So stehen dort nun vier Haustypen, zwanzig Weitere sollen folgen. Ein Rundgang über die Baufelder.

Im Musterhaus der Veba öffnet niemand die Tür. Im Fenster klebt ein verblichener Zettel mit Telefonnummern. Alle 61 Häuser sind verkauft, so die Auskunft. Wegen des großen Andranges seien sie verlost worden. Vor allem Bewohner der Plattenbauten von Marzahn, Hellersdorf und Hohenschönhausen ziehe es hier hin. Dabei sind die Reihenhäuser auch industriell vorgefertigte Bauten. Immerhin verkleidet Veba-Immobilien die Porenbetonplatten mit Blendmauern aus rotem oder gelbem Klinker. Die Tarnung ist so gut, dass die Bauweise nur im Inneren erkennbar sind. Dort stoßen die Platten unverfugt aneinander, die Käufer müssen sie selbst verspachteln. Sogar ein Satteldach haben die Veba-Häuser, als einzige in Habichtshorst. Das Eigenheim bot die Veba für weniger als 300 000 DM an. Günstiger war nichts zu haben in Habichtshorst.

Nicht viel teurer sind die 69 Reihen- und Doppelhäuser im benachbarten Bauabschnitt. Bauträger ist die holländische Bouwfonds. Deren Reihenhäuser nehmen auf traditionelles Formverständnis keine Rücksicht. Ihre Pultdächer malen eine unruhige Zickzacklinie in den Himmel. Die glatt verputzten Fassaden gehen unterschiedslos ineinander über. Nur das Fallrohr der Regenrinne trennt optisch das eine Haus vom nächsten. Die Holländer errichteten "minimalistische Miniaturen". Das Ergebnis ist das kleinste aller Habichtshorster Eigenheime: 68 Quadratmeter Wohnfläche hat das Reihenmittelhaus; hinzu kommen 35 Quadratmeter ausbaufähiger Dachboden. Auch stehen die Bauten auf dem kleinsten Grundstück in Habichtshorst: 118 Quadratmeter klein. Minimalistisch ist die Ausstattung, da Bouwfonds auf jedes Ornament verzichtet: es gibt keinen Balkon, keine Dachterrassen.

Auch das Musterhaus von Bouwfonds ist geschlossen, weil es ein Neues gibt. Es steht ein paar hundert Meter weiter auf einem frisch aufgebaggerten Baufeld. Dort starten die Holländer ihr zweites Reihenhausprojekt in Habichtshorst und gehen mit einem größeren und komfortableren Haustyp ins Rennen. Fünf Varianten wird es geben, aber keine kleiner als 100 Quadratmeter Wohnfläche. Die zwei bereits errichteten Häuser verfügen über Dachterrassen und Garagen. Die Fassaden haben ein "Gesicht": Vorsprünge und Holzverblendungen grenzen die Einheiten klar voneinander ab. Den Schritt zu mehr Architektur wagte zuvor bereits die Wohnungsbaugesellschaft Marzahn (WBG). WBG-Architekt Léon Wohlhage verbringt seine Urlaube offenbar gern am Mittelmeer: Seine Häuser ähneln mediterranen Feriendomizilen. Schmale und hohe Fenster gliedern die würfelförmigen Baukörper, der rötlichen Lasur der Außenwände fehlt nur das Meeresblau als Kontrast - wenigstens ist der Himmel über Berlin in diesem Jahr oft genug blau.

"Wir wollten bewusst etwas anderes bauen", sagt Katrin Börner. Sie wartet im Musterhaus auf Kundschaft. Sie kann ein Dutzend der geplanten 62 Häuser in der WBG-Siedlung besichtigen. Damit keine Monotonie aufkommt, sind die Baukörper untereinander versetzt, und die Häuser springen mal vor, mal zurück. Auch haben einige Bauten zwei, andere drei Geschosse.

Weitere Besonderheit dieses Haustyps ist das im Kern liegende Treppenhaus. Zusammen mit WC und Abstellkammer bildet es eine breite Säule. Rundherum gruppieren sich die Zimmer. Kinder werden es lieben, sie können immer im Kreis laufen und prima Fangen spielen. Den Erwachsenen könnten die rund zwei Quadratmeter Wohnfläche fehlen, denn die Ränder des Kerns sind nur als Durchgang nutzbar. Allerdings bieten die dreigeschossigen Varianten des WBG-Hauses genug Platz: 134 Quadratmeter Wohnfläche, wenn der Käufer das selbst auszubauende Dachzimmer einrechnet; nicht mitgezählt ist die Dachterrasse. Alle Häuser haben eine Fußbodenheizung, manche noch eine zusätzliche Einliegerwohnung mit separatem Eingang.

Die weiteren, neuesten Projekte in Habichtshorst folgen der Devise: mehr Platz, aufwendigere Architektur, mehr Luxus. Noch in diesem Jahr will die Deutsche Immobilien Investierungs Aktiengesellschaft (DII) den Grundstein zu den ersten ihrer 32 Reihenhäuser legen. Die 125 bis 135 Quadratmeter großen Eigenheime bekommen hölzerne Dachgeschosse mit vorgelagerten Terrassen. Mit begrünten Pultdächern dagegen will die WIR Wohnungsbaugesellschaft in Berlin ihre 40 Eigenheime attraktiv machen. Beide Bauträger werden ihre Häuser zu Preisen zwischen 350 000 DM und 490 000 DM anbieten.

Ob diese Preise in Habichtshorst erzielbar sind, ist in der Branche umstritten. "Mehr als 400 000 DM halten wir für unrealistisch", sagt Eckehardt Erndwein. Eigentlich wollte der Bauträger in Habichtshorst 30 Häuser errichten. Sein Entwurf gewann den ersten Preis der Architektenjury unter Jakubeit. Doch dann fiel er bei den Buchhaltern von Erndwein durch. Sie rechneten mit spitzem Bleistift nach mit dem Ergebnis: "Wir hätten die Häuser nicht unter 460 000 DM anbieten können", so der Bauträger. Konsequent genug, warf er das Handtuch. Die Häuser werden nicht gebaut.

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