Zeitung Heute : Unter Beschuss

Nach einem Bericht des US-Kongresses traten Mitarbeiter der Wachfirma Blackwater im Irak wie schießwütige Cowboys auf. Was haben sich die Söldner zuschulden kommen lassen?

Matthias B. Krause[New York]

Es ist nicht das erste Mal, dass die privaten Sicherheitsfirmen, die die US-Regirung für den Irakkrieg angeheuert hat, in die Kritik geraten. Schon die Affäre um die Folterung im Abu-Ghraib-Gefängnis warf ein Schlaglicht auf die zweifelhafte Rolle der Mitarbeiter, die weder irakischen Gesetzen noch der amerikanischen Militärgerichtsbarkeit unterstehen. Während sich damals hartnäckig Gerüchte hielten, das Pentagon habe Söldner die schmutzige (und illegale) Arbeit ausführen lassen, stehen dieses Mal die Angestellten von Blackwater im Verdacht, als Bodyguards in Diensten des US-Außenministeriums wie schießwütige Cowboys aufzutreten.

„Die Privatisierung des Krieges zahlt sich für Blackwater außerordentlich aus“, sagte der Vorsitzende des zuständige Kongressausschusses, der demokratische Abgeordnete Henry Waxman, „die Frage ist, ob das Outsourcing an Blackwater sich auch für den amerikanischen Steuerzahler auszahlt.“ Einmal ganz abgesehen von den moralischen Aspekten des Geschäfts mit dem Krieg: Die 1997 von dem ehemaligen Elitesoldaten Erik Prince gegründete Firma wurde von der US-Regierung mit Aufträgen in Höhe von mehr als einer Milliarde Dollar allein im Irak bedacht, die meisten davon ohne reguläre Ausschreibung. Blackwater beschäftigt zurzeit 1100 Söldner im Mittleren Osten, ein verschwindet geringer Anteil an den rund 180 000 Privatpersonen, die das Weiße Haus angeheuert hat, um für Amerika im Irak Krieg zu führen.

Prince bestritt bei der Anhörung im Kongress am Dienstag, dass sich seine Männer beim jüngsten Vorfall in Bagdad falsch verhalten hätten. Die Vorwürfe seien „vorschnell und ungerecht“. Er verwies vielmehr darauf, dass seit Beginn des Krieges 27 Blackwater-Angestellte umgekommen seien – aber kein einziger Diplomat des State Departments unter ihrem Schutz verletzt wurde. Am 16. September hatten die Söldner in Bagdad nach der Explosion einer Autobombe das Feuer auf eine Gruppe von Irakern eröffnet – unschuldige Zivilsten, wie sich im Nachhinein herausstellte. In dem Kugelhagel starben 17 Menschen, 24 wurden verletzt. Nun ermittelt unter anderem das FBI.

Nach einer von Waxman in Auftrag gegeben Untersuchung waren Blackwater-Mitarbeiter seit 2005 in mindestens 195 Schießereien mit Zivilisten verwickelt, bei mehr als 80 Prozent der Fälle wurden Iraker verletzt oder getötet. Die Zahl von 1,4 Vorfällen pro Woche kommt nach einem Bericht der „Washington Post“ ehemaligen Blackwater-Mitarbeitern allerdings verdächtig niedrig vor. Nach ihrer Erfahrung würden viele schlicht gar nicht erst gemeldet.

Die gut bezahlten Mitarbeiter von Blackwater träten im Irak auf „wie die Cowboys“, sie hätten „ihre Finger sehr schnell am Abzug“, zitierte der Ausschuss in seinem Bericht einen Vertreter der US-Armee. Schüsse aus fahrenden Autos heraus auf Iraker, tödliche Salven in Volltrunkenheit, Amokfahrten durch Bagdads Straßen, – all das konnten sich die Blackwater-Männer im Irak ohne Strafe erlauben. Mindestens 16 getötete Iraker seit 2005 verzeichnet der Bericht.

Blackwater ist offenbar auch so oft in Feuergefechte verwickelt wie keine der beiden anderen beiden privaten Sicherheitsfirmen Dyncorp und Triple Canopy, die im Norden und im Süden des Irak agieren. Blackwater ist die größte der drei und vornehmlich in Bagdad tätig. Zu den Geschäftspraktiken der Firma gehört es auch, Hinterbliebene mit Summen zwischen 5000 und 20 000 Dollar zu entschädigt – „um die Sache unkompliziert zu erledigen“, wie es in einem Memo des State Departments heißt, das diese Praxis offensichtlich goutiert. Prince verteidigte sie vor dem Kongress mit den Worten: „Das ist im Irak einfach so üblich.“ Blackwater habe nichts zu verheimlichen. Die Demokraten denken nun aber darüber nach, die „legalen Hintertürchen“ für die Söldner zu schließen.

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