Zeitung Heute : Unter Freunden

Michael Becker

Rainer Schüttler unterliegt seinem Trainingspartner Lars Burgsmüller

Hamburg. Die Auszeit für die Freundschaft dauerte insgesamt 3 Stunden und 7 Minuten. So lange standen sich die beiden Trainingspartner und Daviscup-Kollegen Rainer Schüttler und Lars Burgsmüller gestern auf dem Centre Court des Hamburger Rothenbaums gegenüber. Es war nicht wie sonst ein Sparring im gemeinsamen Schweizer Wohnort Altstätten, sondern eine Erstrundenpartie des mit 2,45 Millionen Euro dotierten Masters-Turniers. Weshalb gegenseitige Rücksichtnahme diesmal fehl am Platze war.

Besser verinnerlicht hatte das offenbar Lars Burgsmüller, der nur mit einer Wildcard in das Hauptfeld gelangt ist. Unter den Augen des gemeinsamen Trainers Dirk Hordorff und des Daviscup-Kapitäns Patrik Kühnen warf er seinen an Nummer vier gesetzten Freund mit 6:4, 6:7 (5:7) und 6:4 aus dem Wettbewerb und verkürzte im internen Prestigevergleich auf 3:4. Für Schüttler war es bereits die neunte Pleite in diesem Jahr in einer ersten Runde.

„Das ist definitiv ein Tiefschlag, das kann man nicht leugnen“, sagte Schüttler. Dass sein Bezwinger dieses Mal aus dem eigenen Lager kam, sah er letztlich positiv. „Dass Lars gewonnen hat, ist sogar noch ein Lichtblick. So ist wenigstens einer von uns in der nächsten Runde.“ Sogar äußerlich hatten die beiden 28-Jährigen Harmonie demonstriert. Beide liefen mit identischen rot-weißen T-Shirts auf, denn sie haben auch noch denselben Ausrüster.

In der ersten Phase der Begegnung konnten die gut 8000 Zuschauer einige Aktionen auf dem Platz so interpretieren, als hätten die beiden Kontrahenten Schwierigkeiten, sich gegenseitig zu bekämpfen. Symptomatisch war dabei das sechste Spiel des ersten Satzes und das längste der gesamten Partie. Burgsmüller leistete sich drei Doppelfehler, doch Schüttler nahm die Aufmerksamkeiten nicht an und vergab seinerseits insgesamt sechs Chancen zum Break, bevor er mit einem Vorhandfehler das Spiel abgab.

Sichtlich davon beflügelt, legte Burgsmüller als Erster seine Zurückhaltung ab und wurde immer forscher in seinen Aktionen. „Es ist nicht einfach, gegen einen Freund zu spielen“, sagte er später. „Aber man muss versuchen, das auszublenden. Zumal Rainer der Bessere von uns ist und ich gegen ihn mein bestes Tennis spielen muss.“

Trotz einer hohen Fehlerquote auf beiden Seiten entwickelte sich im dritten Satz ein offener Schlagabtausch, der das Hamburger Tennispublikum bei kühlen zehn Grad Celsius immer wieder auch mit spektakulären Ballwechseln zu erwärmen wusste. Doch gerade, als Schüttler mit einem Break im dritten Satz endgültig die Oberhand gewonnen zu haben schien, unterliefen ihm Fehler, die ihn ratlos zurückließen. Schüttler sagte: „Ich kann jetzt nur hoffen, dass es bald besser wird.“

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!