Unter  HEIMWERKERN : Bücken statt Klettern

Protokoll: Steffen Seibel
Foto: Steffen Seibel
Foto: Steffen Seibel

BERND KELLER, 48

kauft

3 Regensinkkästen

1 Überschiebmuffe

1 T-Stück-Abzweigungsrohr

alles für 96, 42 Euro

Diese Regensinkkästen habe ich gekauft, damit ich nicht ständig zur Dachrinne hochkrabbeln und das Laub rausfischen muss. Rund um mein neues Haus stehen viele Bäume. Die Kästen baue ich in den Boden ein. Sie filtern das Wasser, und das Laub sinkt im Kasten nach unten. So verstopft es die Abwasserleitung nicht. Und statt zu klettern, muss ich mich nur bücken: Aufmachen, Laub raus, das war's.

Das Haus ist ein sogenanntes Mitbauhaus. Da wird einem nur der Rohbau hingestellt. Die Beplankung der Wände, die Fliesen und die Sanitärtechnik macht man selbst. In erster Linie spare ich damit natürlich Geld: rund ein Viertel, bei meinem Haus sind das etwa 50 000 Euro. Man muss aber auch Lust und Begabung mitbringen. Der kritische Faktor ist die Zeit. Ich verzichte für zwei Jahre auf Erholungsurlaub.

Ich habe bereits einmal ein Haus von einem Bauunternehmen bauen lassen. Da gab es Komplikationen: Die Fensterstürze hingen durch. Deshalb habe ich mich dieses Mal für ein Fertigteilhaus entschieden. Entweder es passt – oder die sollen das Haus gleich wieder mitnehmen. Innerhalb von nur zwei Tagen stand es. Das war faszinierend. In vier Stunden war das Dach gedeckt. Eigentlich wollte ich die Dachflächenfenster zwischendurch selbst einbauen, aber in diesen Takt habe ich nicht reingepasst.

Die Regensinkkästen zu installieren, stelle ich mir nicht besonders kompliziert vor. Irgendwie passt das schon zusammen. Ob ich die Überschiebmuffe und das T-Stück brauche, weiß ich noch nicht; ich habe sie nur zur Sicherheit mitgenommen. Bevor man Rohre ineinandersteckt, sollte man in einer Art Trockenübung ausprobieren, ob die Länge passt. Beim ersten Mal habe ich einen Fehler gemacht: Ich hatte kein Gleitmittel zur Hand. Das schmiert man auf den Dichtring, dann lassen sich die Rohrstücke einfach in die Muffen schieben. Als Ersatz habe ich das mit Spülmittel probiert. Das war eine elendige Schinderei.

Ich finde, die Leute sollten sich trauen, mehr selber zu machen. Ich denke nicht lange nach, sondern fange einfach an. Man lernt etwas dabei – und ist hinterher stolz darauf, was man geschaffen hat. Es kostet ein wenig Schweiß, und man muss sich mal bücken. Aber das ist gut für die Muskulatur, man kriegt ordentlich Hunger und kann gut schlafen. Vor allem kann ich mir jeden Tag anschauen, was ich Schönes gebaut habe. Ich brauche das. Protokoll: Steffen Seibel

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