Unter  HEIMWERKERN : „Ich baue einen Maulwurfshügel“

Protokoll: Frida Thurm
Foto: Frida Thurm
Foto: Frida Thurm

CATERINA RANCHO, 27

kauft

2 Rollen Gitterdraht, 1 Gießkanne,

1 Sack Styropor-Chips, Kleister,

3 Beutel Blumenerde,

braunen Sprühlack

für insgesamt 79,06 Euro

Aus den Sachen, die ich gekauft habe, baue ich einen riesigen Maulwurfshügel, so groß, dass ein Model darin stehen kann. Ich bin Fotografin, und der Maulwurfshaufen ist Teil einer Kulisse für ein Fotoprojekt: eine ganze Serie, für die ich Frauen als Tiere fotografiere. Sie werden ziemlich sexy fotografiert, teilweise auch oben ohne.

Allerdings stehen die Kostüme eher im Kontrast zu dieser Erotik: Ein Model trägt ein Rattenkostüm und sitzt auf einem Abflussrohr, ein anderes hockt als Krähe verkleidet auf einem Schornstein. Dann gibt es noch einen Waschbären auf Müllcontainern.

Das Maulwurf-Model fotografiere ich im Hügel, auf der Wiese vor einem Schloss. Aus dem Gitterdraht werde ich erst das Innenleben des Maulwurfshügels konstruieren, also ein Gerüst, dann modelliere ich darauf mit Kleister und Pappmaché die Hügelform. Die Styroporschnipsel klebe ich dann außen drauf und sprühe sie mit brauner Farbe an. Obendrüber kommt die Blumenerde. Aber zuerst muss ich das ganze Zeug mit meinem Auto nach Hause schaffen.

Das Styling für die Bilder ist immer angelehnt an die echte Tierwelt. Die Ratte hat zum Beispiel ganz struppiges Fell und natürlich Schnurrbarthaare. Aber dadurch, dass ich professionelle Models fotografiere, kommt dabei schon ein bisschen Sexyness rüber.

In zwei Monaten muss ich fertig sein. Die Bilder will ich hinterher ausstellen, mit meinem Kreativbüro „Maeusemelken“. Ich bin Kommunikations- und Foto-Designerin, aber ich möchte auch mal freie Arbeiten machen und nicht immer nur die Werbeschlampe sein.

Zusätzlich arbeite ich als Ausstatterin beim Film und baue manchmal Kulissen, zuletzt für einen Spielfilm, der „Dirty Laundry“ hieß. Der spielt auf einem amerikanischen Nuttenstrich – und dafür mussten wir in Berlin einen amerikanischen Nuttenstrich nachbauen.

Im nördlichen Friedrichshain gibt es eine ziemlich runtergerockte Straße, die jetzt eher Industriegebiet ist. Früher, als die Mauer noch stand, war das noch ein Wohngebiet, glaube ich, aber inzwischen ist es ziemlich heruntergekommen.

Die Straße habe ich für den Film aufgemotzt, auch mit Sachen aus dem Baumarkt. Vor die alten Türen zum Beispiel habe ich rote Decken gehängt, als Vorhänge, und dahinter habe ich rote Glühbirnen angebracht – fertig war der Eingang vom Puff. Protokoll: Frida Thurm

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