Unter HEIMWERKERN : Ich bessere meine Tür aus

Protokoll: Michael Schneider

FRANK MÜLLER, 45

kauft

Holzfüllspachtelmasse

für 5,10 Euro

Seit über zehn Jahren wohne ich schon in einer kleinen Einzimmermietwohnung in Mitte – und jetzt reicht’s mir! Ich habe genug vom Stadtzentrum. Gerade im Winter ist es in Mitte ja kaum auszuhalten. Man hat einfach keinen Freiraum, sieht keinen Horizont. Deshalb habe ich dieses Jahr ein Haus in Karlshorst gekauft. Die Luft dort ist wunderbar, ich wohne mitten im Grünen und mein Traum vom eigenen Garten wird endlich wahr!

Das Haus hat schon einige Jahrzehnte auf dem Buckel, aber das macht nichts. Alle Renovierungsarbeiten erledige ich selbst, ich bin schließlich ausgebildeter Baufacharbeiter. Und es macht einfach Spaß, endlich am eigenen Heim zu werkeln. Das größte Projekt bisher waren die Wasser- und Abwasserleitungen. Musste alles neu verlegt werden. Das nötige Wissen dafür habe ich mir größtenteils in Konstruktionsbüchern angelesen. Heimwerkerliteratur gibt es ja wie Sand am Meer. Trotzdem sind mir natürlich auch Fehler unterlaufen, zum Beispiel beim Löten der Leitungen. Einige Stellen waren anfangs nicht dicht, ich musste die Leitungen wieder auseinandernehmen. Aber ich versuche immer, erst mal alles allein zu machen.

Mein Haus ist in zwei Wohnungen aufgeteilt. Die obere ist schon fertig renoviert und vermietet. In die untere Hälfte werde ich einziehen. Drei Zimmer sind mehr als genug für mich. Im Keller habe ich mir auch schon eine Werkstatt eingerichtet. Als Bauingenieur arbeite ich mittlerweile nur noch in der Planung und Projektsteuerung, ein Bürojob. Die Werkstatt ist mein Ausgleich. Meine Heimwerkerleidenschaft liegt übrigens in der Familie, meine Großeltern hatten eine Tischlerei.

Welche Arbeit als Nächstes ansteht? Die Eingangstür. Sie ist aus Holz und hat Risse. Nach 30 Jahren, in denen so eine Tür ununterbrochen der Witterung ausgesetzt ist, passiert das irgendwann. Nur müssen die Risse jetzt auch wieder geschlossen werden. Einmal im Leben der Tür kann man das machen. Beim nächsten wird sie nicht mehr reparabel sein, denke ich. Dann muss eine neue her. Deshalb habe ich heute Holzfüllspachtelmasse gekauft. Die schmiere ich in die Risse. Und wenn die Masse komplett ausgehärtet ist, werde ich die Tür noch mal farblos beizen, damit Feuchtigkeit und Fäulnis nicht in das Holz eindringen. Ich schätze, das kostet mich ohne Pausen nicht mehr als drei Stunden Arbeit. Ein Klacks. Holz ist angenehm vom Handling, warm und leicht zu verarbeiten. Metallbearbeitung ist da viel anstrengender und kostet mehr Zeit. Protokoll: Michael Schneider

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