Unter HEIMWERKERN : „Ich kaufe für meinen Sohn ein“

Protokoll: Michael Schneider
Foto: Michael Schneider
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CHRISTINE SCHNEIDER, 51

kauft

1 Garderobenständer

für 20 Euro

Vor sechs Wochen ist die Aluminiumstange zusammengebrochen, die mein Sohn in seiner Wohnung als Garderobenstange zwischen zwei Wände montiert hatte. Er hatte einfach zu viel Wäsche darauf gehängt. Bisher gibt es noch keinen Ersatz, andere Dinge seien ihm momentan wichtiger, sagt er. Seitdem stapeln sich seine Jacketts, Hemden und Hosen zu einem großen Haufen. Das ist doch kein Zustand! Deshalb bin ich jetzt nach Feierabend noch kurz in den nächsten Baumarkt gefahren, um ihm einen neuen Garderobenständer zu besorgen. Der ist vielleicht nicht der schönste, aber zumindest übergangsweise besser als der Status quo.

Dass ich in den Baumarkt fahre, ist nichts Besonderes. Als ich vor fünf Jahren in eine kleinere Wohnung umzog, war ich fast täglich dort. Meine Tochter hat mir damals zwei Einbauschränke mit Schiebetüren in mein neues Schlafzimmer gebaut. Sie ist erstaunlicherweise viel geschickter als mein Sohn, dem ich schon Druck machen muss, damit er mir mal ein Loch in die Wand bohrt. Die Schränke haben meine Tochter und ich zusammen geplant.

Heimwerker-Fähigkeiten musste ich mir schon früh aneignen. Ich bin Ost-Berlinerin, und zu DDR-Zeiten hatte ich nie die Möglichkeiten, mich meinen Wünschen entsprechend einzurichten. Wenn ich was Schönes wollte, musste ich es schon selber machen. Für meine beiden Kinder habe ich Hochbetten gebaut, die man ja nirgendwo kaufen konnte. Darunter habe ich eine hübsche Spielecke mit Gartenzaun eingerichtet.

Ich bin OP-Schwester, in dem Beruf hat man leider nicht so viel Gestaltungsfreiraum. Mich fasziniert es, Dinge selbst zu gestalten, meine Ideen zu verwirklichen. Mittlerweile baue ich allerdings nicht mehr so viel. Mir fehlt inzwischen der Antrieb für diese Art von Kreativität. Jetzt lebe ich mich eher floristisch und gestalterisch aus. Mein Traum ist ein Blumenladen mit eigenem Café.

Bei meinen letzten Baumarkt-Besuchen bin ich fast immer in der Abteilung für Fußböden stecken geblieben. Schon lange wünsche ich mir schönes Parkett für meine Küche, das ist der Ort, an dem sich Familie und Freunde immer am wohlsten fühlen. Bis jetzt liegt da gelbes Linoleum. Das ist viel zu schmutzempfindlich. Und wenn mal was runterfällt, hat man sofort Schrammen und Abdrücke auf dem Boden. Meine Küche ist etwa neun Quadratmeter groß, schönes Parkett dafür würde mich ungefähr 300 Euro kosten. Das ist wohl das nächste Projekt, das meine Tochter und ich angehen werden.Protokoll: Michael Schneider

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