Unter  HEIMWERKERN : „Ich kenne jeden Baumarkt Berlins“

Protokoll: Silke Weber
Foto: Silke Weber
Foto: Silke Weber

PAUL PÖTZELBERGER, 26

kauft

1 Kanister Tiefengrund

5 Putzeckenprofile

alles für 12,20 Euro

Wofür ich die Putzeckenprofile brauche? Ich baue ein Badezimmer. Eigentlich studiere ich Produktdesign, davor habe ich eine Schreinerlehre gemacht. Ein Freund von mir zieht nach Wedding, in ein 120 Quadratmeter großes Loft, ein riesiger Raum ohne alles – und da baue ich ihm jetzt das Badezimmer hinein. Ich habe Spaß daran. Deshalb habe ich sofort zugesagt, als er mich gefragt hat. Im Moment habe ich Semesterferien, und er ist nicht wirklich handwerklich begabt.

Das kenne ich schon, dass mich Freunde um solche Gefallen bitten. Sie wissen, dass ich mir Möbel selbst baue: Regale, Schränke, einen Ess- und einen Schreibtisch. Und Lautsprecher! Die habe ich so noch nirgends gesehen. Das sind so kleine Tischlautsprecher nach meinem eigenen Entwurf. Ich kann manchmal in die Werkstätten der Uni, um mir einen Tisch zu schreinern. Selbst Bauen ist nicht nur günstiger. Es ist einfach schöner, und du kannst es direkt an dich anpassen.

Das Badezimmer ist eigentlich so das erste richtig große Projekt – da betrete ich echtes Neuland. Das habe ich noch nie so gemacht: Glasbausteine gemauert oder Wände ausgebaut und verputzt. Die Gasbetonwand steht schon. Den Tiefengrund habe ich gekauft, damit ich den Gasbeton verputzen kann, und die Putzschienen, damit sich die Ecken leichter verputzen lassen. An die Wand werden dann zwei L-förmige Teile angeschlossen. An das eine kommt die Duschwanne und an das andere das Toilettenbecken. Das wird jetzt alles peu à peu.

Bis Ende August bin ich noch mit dem Bad beschäftigt. Hoffe ich. Es gibt noch andere Freunde, die warten schon, dass ich ihnen auch etwas baue. Ich muss noch zwei Regale machen: Steckregale aus Leimholz und ein paar Bretter. Das Holz wird zugesägt und ausgestemmt. Geht ganz schnell. Dann will jemand Klötze für seinen Lattenrost haben, damit er nicht auf dem Boden schlafen muss.

Ich bin ständig im Baumarkt. Mittlerweile kenne ich bestimmt jeden in Berlin. Allein für das Bad war ich innerhalb der vergangenen Woche fünfmal da, weil ich was vergessen hatte. Und dann brauche ich immer wieder Sachen, die man vorher nicht bedacht hat.

Manchmal frage ich mich, was eigentlich so schön am Heimwerkern ist. Ich glaube, es ist der Schaffensprozess – und am Ende sagen zu können: Das habe ich selbst gebaut! Das macht mich ein bisschen stolz. Da sieht man einfach, was man kann und was man nicht kann.

Protokoll: Silke Weber

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