Unter  HEIMWERKERN : „Ich mache zu Hause alles selbst“

Protokoll: Michael Schneider
Foto: Michael Schneider
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AXEL REICHE, 57

sucht

2 Gardinenhaken

Meine Frau hat mich beauftragt, zwei Gardinenhaken zu kaufen. Die werden in diesem Baumarkt aber nur in Packungen à 200 Stück verkauft. Ganz ehrlich: Bevor ich 198 Gardinenhaken kaufe, die ich nicht brauche, schaue ich mich noch mal woanders um. Sollten nirgendwo einzelne Gardinenhaken zu erstehen sein, wird meine Frau das auch verkraften.

Sie hat keinen Grund, sich über mich zu beschweren. Ich bin hauptberuflich Zimmermann und mache zu Hause so viel ich kann selbst. Vor kurzem habe ich unser Wohnzimmer tapeziert. Ging ratz fatz. 32 Jahre auf dem Bau haben mich zu einer Art Universal-Heimwerker gemacht, da hab ich mir einiges von Kollegen abgeguckt oder selbst beigebracht. Unser Bad und unsere Küche habe ich selber gefliest.

Doch mein Lieblingsmaterial ist und bleibt Holz, einfach weil man viel daraus machen kann: Türen, Fenster, Tische, Stühle, Betten und und und. Meine größte Leidenschaft ist das Bauen historischer Schiffsmodelle, damit verbringe ich einen Großteil meiner Wochenenden. Sperrholz und alte Vollholzleisten suche ich mir vorher zusammen, dann kaufe ich die Baupläne und fange an. Wenn ich an den Modellen sitze, schalte ich total ab. Da kann hinter mir die Welt untergehen. Diese Feinheiten, die man da beachten muss, dieses endlose Gefummel fesselt mich einfach. Für ein Schiff brauche ich zwei bis drei Jahre. Vor kurzem habe ich ein Modell der „Bismarck“ gebaut, ein Schlachtschiff aus dem Zweiten Weltkrieg, das 1,60 Meter lang und 50 Zentimeter breit ist.

Klar, braucht man dafür Platz, deshalb habe ich mir im früheren Kinderzimmer eine Werkstatt eingerichtet. Die alte Arbeitsplatte aus der Küche habe ich mit ein paar Kanthölzern zum Werktisch umfunktioniert. Verschiedene Hämmer, Handkreissäge, Bohrmaschine, Akkuschrauber – ich habe alles, was man so braucht. Trotzdem schaue ich mich im Baumarkt bei den Werkzeugen um und achte auf Sonderangebote. Allerdings ist bei niedrigen Preisen Vorsicht geboten. Ein gutes Stecheisen kostet normalerweise 20 bis 25 Euro. Ab und zu bieten Baumärkte ein ganzes Stecheisen-Set für sechs Euro an. Der Haken ist, logisch, die Qualität. Solche Billig-Werkzeuge kann man nach dem ersten Einsatz wegwerfen. Deshalb achte ich auf den Hersteller. Bei Sägen schwöre ich auf die Marke „Drei Eichen“, bei Stechbeiteln auf „Zwei Kirschen“, bei Hämmern auf „Picard“. So einer kostet zwar 45 Euro, aber ist was fürs Leben. Ich habe meinen seit der Lehre, 1969.

Protokoll: Michael Schneider

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