Unter HEIMWERKERN : „Ich muss ausziehen“

Protokoll: Michael Schneider

BEN MIETHKE, 22

kauft

1 Abdeckplane (20 qm)

1 Pinsel

1 Rolle Kreppband

alles für 8, 67 Euro

Vor ein paar Wochen habe ich meine Wohnung gekündigt, weil ich bald nach London gehe – für ein Praktikum. Ich studiere Medienwissenschaften, da ist das vorgeschrieben. Im Mietvertrag steht, ich sei verpflichtet, die Wohnung „bei Auszug in den Altzustand zurückzuversetzen“. Schöne Formulierung, oder? Im Klartext heißt das: Ich muss streichen.

Ein halbes Jahr habe ich, zusammen mit einem Mitbewohner, in der Wohnung gelebt. Sie ist nicht besonders schön: drei Zimmer in einer klassischen NeubauPlatte in Berlin-Mitte. Etliche meiner Nachbarn haben mit Alkoholproblemen zu kämpfen, die Polizei ist Stammgast bei uns im Haus. Aber die Miete war saugünstig und als Student habe ich sowieso keine hohen Ansprüche. Trotzdem bin ich froh, dass ich da wieder raus bin.

Die Renovierung teilen sich mein Mitbewohner und ich: Er kümmert sich um Küche und Bad, ich übernehme das Wohnzimmer. Inzwischen bin ich mir nicht mehr so sicher, ob das ein guter Deal war. Denn das Wohnzimmer ist zwar klein, hat aber zwei Fenster – und da fängt der Stress auch schon an. Einen Raum mit Fenstern zu malern, bedeutet nämlich: Rahmen abkleben, damit sie keine Farbspritzer abbekommen. Dazu kommen noch die Bodenleisten, Steckdosen und Lichtschalter. Das Abkleben dauert sicher länger als das eigentliche Malern. Wenn man nicht super akkurat arbeitet, muss man danach putzen. Und haben Sie schon mal versucht, eingetrocknete Farbspritzer auf einer Fußbodenleiste zu entfernen? Das nervt furchtbar!

Ich hoffe, ich brauche für alles nicht mehr als zwei Stunden Zeit. Immerhin habe ich keine zwei linken Hände. Eine gewisse Geschicklichkeit liegt in der Familie, mein Vater ist Werkzeughändler in Krefeld. Dementsprechend gut bin ich übrigens mit Werkzeug ausgestattet – das meiste davon kaum benutzt.

Das einzige Werkzeug, auf das ich wirklich nicht verzichten könnte, ist mein Maulschlüsselset. Das brauche ich ständig, um an meinem Fahrrad herumzuschrauben, ein Single-Speed-Rennrad. Letzte Woche habe ich einen neuen Lenker montiert und ihn an den Seiten gekürzt. Ein ganz kurzer Lenker sieht erstens toll aus und zweitens kann man damit besser zwischen den Autos durchflitzen. Ansonsten bringe ich aber höchstens mal eine Lampe an oder schraube ein Regal zusammen. Immerhin, mein Bettgestell habe ich selbst gebaut. Protokoll: Michael Schneider

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