Unter  HEIMWERKERN : „Ich spiele Wikingerschach“

Protokoll: Frida Thurm
Foto: Frida Thurm
Foto: Frida Thurm

ANNA SCHMID, 25

kauft

2 Rundhölzer á 2,40 cm

10 Kanthölzer á 20 cm

alles für 24,90 Euro

Das ganze Holz brauche ich für ein Spiel: Kubb, man nennt es auch Wikingerschach. Es kommt aus Schweden, und ich will es im Sommer mit Freunden im Park spielen. Ich habe beim Unisport auch gerade einen kleinen Workshop dazu gemacht und neue Techniken gelernt.

Gespielt wird in zwei Teams: Man stellt die Kanthölzer in zwei Reihen auf, jedes Team hat eine Reihe. Dann versuchen die Spieler, mit den Rundhölzern die Kanthölzer umzuwerfen. Es gibt noch ein paar komplizierte Regeln, aber im Grunde geht es darum, möglichst schnell die Hölzer des Gegners umzuschmeißen. Wer die alle umgeworfen hat, darf versuchen, das größte Kantholz in der Mitte umzuschmeißen – den König. So eine Partie kann sich schon über eine Stunde hinziehen.

Ich habe das Spiel bei einer Freundin gesehen, die es sich gekauft hatte und mir überlegt, dass ich es auch ganz einfach selbst nachbauen kann. Aber billiger ist es jetzt leider nicht geworden, die Rundhölzer waren ganz schön teuer, obwohl ich sie selbst noch zersägen muss. Das Zuschneiden von dem Kantholz hat 50 Cent pro Schnitt gekostet.

Kleinere Sachen baue ich mir öfter mal, ich habe mir auch schon einen Tisch gemacht, zumindest die Beine zugesägt und an eine Platte geschraubt. Die Tischplatte war leider zu dünn und deshalb war das ganze am Ende sehr wackelig.

Ich habe ziemlich früh mit dem Heimwerkern angefangen, ich war quasi dazu gezwungen, weil es in meiner Familie niemanden sonst gab, der das gemacht hätte. Meine Eltern haben sich getrennt, als ich neun war. Davor hat mein Vater gebohrt und die Lampen aufgehängt. Meine Mutter hat sich nach der Trennung strikt geweigert, das zu tun, weil sie immer fand, das sei Männersache – deshalb habe ich mich dessen angenommen. Ich war die Älteste und meine beiden jüngeren Brüder hatten zum Teil keine Lust und waren zum Teil unfähig, die Sachen zu erledigen. Etwa mit zehn, elf habe ich angefangen, die ersten Nägel in die Wand zu schlagen, um Bilder aufzuhängen. Dann kamen die Dübel, und später dann, das war schon höhere Kunst, habe ich unsere Lampe an der Küchendecke angebracht. Im Garten habe ich auch viel gewerkelt.

In meinem jetzigen WG-Zimmer ist aber erst mal alles fertig. Da habe ich mühsam die Tapete von den Wänden gespachtelt und den Putz neu gestrichen, in Weiß – und eine Wand in Türkis und Gold. Protokoll: Frida Thurm

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