Unter HEIMWERKERN : „Ich tapeziere in meiner WG“

Protokoll: Michael Schneider
Foto: Michael Schneider
Foto: Michael Schneider

DORIAN WIESE, 24

kauft

10 Liter Universal Tiefengrund für 20 Euro

6 Kabelkanäle für 12 Euro

5 Kilogramm Spachtelmasse für 8 Euro

alles für 40 Euro

Vor zwei Wochen wurde auf Veranlassung unseres Vermieters die komplette Elektrik in unserer Wohnung erneuert. Ich wohne mit zwei Freunden in einer Dreier-WG in Pankow. Das heißt, im Moment kampieren wir eher. Alle Wände wurden aufgerissen, die Elektroleitungen ausgetauscht und danach neu verputzt. Jetzt muss die ganze Wohnung tapeziert und gemalert werden. Der Vermieter stellte uns vor die Wahl: Entweder wir warten sechs Wochen auf die Handwerker oder übernehmen das selbst und stellen ihm die Kosten in Rechnung. Da wir keine Lust haben, sechs Wochen in einer Bruchbude zu hausen, entschieden wir uns für Zweiteres.

Küche und Bad sind bereits fertig, in den nächsten drei Tagen ist der Albtraum dann hoffentlich ganz überstanden. Da die kahlen Wände sehr trocken und porös sind, müssen wir sie erst mal mit Tiefengrund streichen. Sonst würden sie den Kleister wie ein Schwamm aufsaugen und die Tapeten kämen schneller wieder herunter, als ich gucken kann. Die Spachtelmasse brauche ich, um vor dem Grundieren noch Unebenheiten in den Wänden auszugleichen. Die Kabelkanäle habe ich gekauft, um Computer- und HiFi-Kabel ordentlich zu verlegen.

Alles, was ich über das Heimwerken weiß, habe ich von meinem Vater, der ist Installateur und war schon immer begeisterter Heimwerker. Mein Gesellenstück war unser neues Haus, das vor dem Einzug komplett renoviert werden musste. Als 15-Jähriger konnte ich mir natürlich coolere Dinge vorstellen, als von morgens bis abends zu sägen, zu spachteln und zu streichen. Aber als Sohn musste ich natürlich auch mit ran. Ich fand das damals ziemlich ätzend, aber es hat sich ausgezahlt.

Natürlich haben wir in unserer WG Strategien, um die Arbeit so angenehm wie möglich zu gestalten. Wir stellen uns zwar keinen Kasten Bier neben die Leiter, wie manche Jungs-WGs, wir wollen ja schnell fertig werden. Aber wir lassen oft eine DVD laufen, die durch den Flur hallt, am besten eine Komödie. Dann werden ein paar Gags gerissen, und wenn der Kleister dann noch ab und zu im Gesicht des anderen landet, hat man schon was zu lachen.

Ansonsten beschränkt sich mein Elan als Heimwerker auf den Computer. Den nehme ich regelmäßig auseinander, um neue Komponenten einzubauen oder mal was zu löten. Ich studiere zwar BWL, aber Computertechnik fasziniert mich. Und das Schöne dabei ist: Man braucht meist nicht mehr als einen Schraubenzieher. Protokoll: Michael Schneider

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