Unter HEIMWERKERN : Lars Miethke, 22

kauft sich PRESSSPAN-BRETTER FOLIE

Ich brauche die Bretter und die Abdeckfolie für eine Ausstellung, die ich am kommenden Wochenende plane. Ich reise gern und liebe Kunst. In allen Städten, in die ich komme, besuche ich die bekannten Museen. Immer, wenn mir ein Exponat gefällt, kaufe ich mir eine Postkarte davon. So haben sich in den letzten Jahren eine Menge Karten aus Museen in London, Budapest, Stuttgart oder New York angesammelt. Meine Freundin Sarah kam nun auf die Idee, damit eine kleine Vernissage in meiner Wohnung zu veranstalten: die schönsten Gemälde der Welt – in Postkartengröße.

Die 20 Bretter, die wir gekauft haben, sind je zwei Meter lang und 15 Zentimeter breit. Wir stellen uns das so vor: am oberen Ende jedes Bretts bringen wir eine Postkarte an. Darunter setzen wir einen Text, der erklärt, in welchem Museum das Originalbild hängt, von welchem Künstler und aus welcher Epoche es stammt. Die Bretter verteilen wir in meiner Wohnung.

Ich studiere BWL an der Humboldt-Uni. Eigentlich komme ich aus Osnabrück, nach dem Abi bin ich zum Studieren nach London gegangen. London ist sehr groß und kosmopolitisch – aber viel zu teuer. Deshalb bin ich vor zwei Jahren hierher gezogen. Ich wohne in einer schönen Altbau-Wohnung am Volkspark Friedrichshain, leider nicht mit Sarah, sondern mit einer Kommilitonin. Sarah studiert in Aachen Medizin, wir führen eine Fernbeziehung. Zum Glück hat sie momentan eine Woche Exkursionsferien, die sie hier verbringt.

Leider bin ich kein besonders enthusiastischer Heimwerker, Sarah hingegen sehr. Zu Weihnachten hat sie mir ein selbst gezimmertes Gewürzregal geschenkt. Deshalb wird sie sich um den handwerklichen Teil unseres Projekts kümmern, und ich werde den theoretischen Teil übernehmen: die Texte schreiben und ausdrucken.

Der heutige Besuch im Baumarkt war nicht besonders gut vorbereitet. Wir haben uns bestimmt 45 Minuten aufgehalten, weil wir erst mal einen Mitarbeiter dazu überreden mussten, dass er uns die Spanplatten zurechtschneidet. Außerdem haben wir nicht damit gerechnet, dass die Bretter so schwer sind, bestimmt 25 Kilo. Wir haben noch keine Ahnung, wie wir diese sperrigen Dinger jetzt nach Hause bekommen. Vielleicht holt uns eine Freundin mit dem Auto ab. Eine Fahrt im Taxi kommt jedenfalls nicht infrage. Die Bretter und Folie haben 30 Euro gekostet, für die Taxifahrt zu mir würde ich sicher nochmal 15 Euro bezahlen. Als Student muss ich eben auf mein Geld schauen.

Protokoll: Michael Schneider

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