Unter  HEIMWERKERN : „Männer gucken, helfen aber nicht“

Protokoll: Silke Weber
Foto: Silke Weber
Foto: Silke Weber

PEGAH GHALAMBOR, 29

kauft

1 Stichsägeblatt

3 Schalbretter

Nägel

für insgesamt 20,95 Euro

Das Stichsägeblatt – mein Hass- und Liebewerkzeug! Ich bin Szenografin und Architektin. Ich liebe die Stichsäge, weil ich sie brauche, um eben alles zu sägen. Und ich hasse sie zugleich, weil Sägen total anstrengend ist.

Ich brauche sie wie die Bohrmaschine, um die Kulisse für einen Film herzurichten. Die Kulisse ist eine leere Wohnung in einem Altbau in Neukölln, 85 Quadratmeter, drei Räume. In zwei kommt das Geschäft mit einem Tresen und einem Labyrinth aus Regalen und in einen das Schlafzimmer. Es wird ein vietnamesischer Laden, sehr fantastisch und surreal, eine Mischung aus Lebensmittel- und Schnickschnackgeschäft. Meine Aufgabe ist es, aus den leeren Räumen einen organisch gewachsenen Laden zu machen, den es seit 40 Jahren gibt. Ich habe schon mehrere Regale und einen Tresen gebaut. Jetzt kommt ein riesiger Setzkasten. Dafür habe ich drei Meter lange Schalbretter gekauft, die benutzt man für den Möbelbau.

Mit meinem Freund Jan baue ich oft zu Hause. Eigentlich immer dann, wenn wir Sachen so günstig wie möglich brauchen – wie unser Bett, das wir uns während des Studiums gebaut haben, oder unsere Küchentheke. Aus einem Duschkopf habe ich auch mal eine Tischlampe gemacht, aus einer Tür einen Tisch. Das kann ich nur jedem empfehlen, weil es sehr günstig ist. Du holst dir eine Innentür als Arbeitsplatte für 25 Euro und kaufst Beine und Winkel dazu.

Für das Filmprojekt war ich so oft im Baumarkt. Fast jeden Tag in der letzten Woche. Ich muss Holz sägen, die Wände dübeln, bohren, schrauben, spachteln, streichen. Am Ende wird alles lackiert, die Bilderrahmen und Wände müssen patiniert werden, damit sie so aussehen, als ob es sie schon 40 Jahre gibt. Nach dem Setzkasten muss ich aber erst mal einen Zeitungsständer und eine Schubladeninstallation bauen. Das ist die Eigenart des Filmhelden, er sammelt alte Schubladen in groß, klein und unterschiedlichen Farben. Einige Sachen bekomme ich vom Sperrmüll, die restlichen Dinge wie Winkel, Nägel, Kleber oder Balken, Stützen und Latten habe ich im Baumarkt geholt.

Stellen Sie sich mal mich vor, das ist wirklich ein witziger Anblick: Eine 1,55 Meter große Frau, die in den Baumarkt geht und drei Meter lange Bretter holt. Die ich dann über die Schulter nehmen muss oder quer über den Wagen lege, weil sie da nicht reinpassen. Die Männer gucken und schmunzeln dann – ohne zu helfen. Protokoll: Silke Weber

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