Unter  HEIMWERKERN : „Ohne Rohrzange würde ich frieren“

Protokoll: Michael Schneider
Foto: Michael Schneider
Foto: Michael Schneider

JULIANE RITZEL, 27

kauft

1 Grillrost

für 13,90 Euro

Neben meinem Studium arbeite ich ehrenamtlich in einem Projektraum in Kreuzberg. Neulich haben wir für alle unsere Unterstützer einen Grillabend organisiert. Weil wir keinen ausreichend großen Grill hatten, mussten wir einen leihen. Als ich ihn zurückgeben wollte, fehlte leider der Rost. Den habe ich nun nachgekauft.

Aber auch sonst bin ich oft im Baumarkt. Wenn etwas repariert werden muss, versuche ich das immer erst selbst, bevor ich irgendeinen Mann frage. Das letzte Projekt, das ich mit meiner Mitbewohnerin gestemmt habe, war die Küchenzeile unserer WG. Als Arbeitsfläche haben wir eine passende Holzplatte gekauft, die Aussparung für das Spülbecken mit einer Stichsäge freigelegt, die Platte mit robusten Winkeln an der Wand befestigt und darunter ein Regal installiert.

In unserem WG-Werkzeugkoffer ist alles drin, was ein Heimwerker so braucht: Hammer, Rohrzange, diverse Schraubenschlüssel, Stichsäge, Bohrmaschine, Akkuschrauber. Das Einzige, was uns wirklich fehlt, ist eine Wasserwaage, die müssen wir immer ausleihen. Mein Lieblingswerkzeug ist die Rohrzange. Im Winter fällt meine Heizung öfter mal aus. Um sie wieder in Gang zu setzen, muss man mit der Rohrzange den Temperaturregler abdrehen. Dahinter sitzt ein kleiner Stift. Wenn der rausspringt, läuft die Heizung wieder. Keine Ahnung, warum das so ist – ich weiß nur, dass die Methode funktioniert und dass ich ohne meine Rohrzange den ganzen Winter lang frieren würde.

Die wichtigste Eigenschaft beim Heimwerken ist Geduld. Man sollte jedes Projekt, an das man sich heranwagt, genau durchdenken. Ich überlege mir vorher jeden Arbeitsschritt, stelle alle Werkzeuge bereit und sehe mir jedes noch mal genau an, damit ich es nicht kaputt mache oder mich verletze. Wahrscheinlich habe ich das von meinem Vater. Der hat mir, als ich klein war, Kindermöbel und Puppenhäuser gebaut. Ich habe ihm zugesehen und geholfen, wenn in der Garage mal wieder gesägt, gefeilt und geschliffen wurde. Später war ich auf einer Waldorfschule, wo Handwerkerlehre unterrichtet wurde. Wir haben Schüsseln, Kerzenständer und Löffel aus Holz geschnitzt. Holz ist immer noch mein Lieblingsmaterial. Es riecht so gut, wenn man es sägt.

Im Grunde könnte ich mir gut vorstellen, als Tischler zu arbeiten, wenn das nicht so ein Männerberuf wäre. Als ich neulich in einer Tischlerei war, um Sägespäne für ein Kunstprojekt zu holen, kam ich mir vor wie im Männerknast. Alle guckten komisch, nur weil eine Frau im Raum stand. Protokoll: Michael Schneider

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