Zeitung Heute : Unter ihnen

Gute Minister sind auch in einer großen Koalition gefragt – wer eine Rolle spielen könnte

Hans Monath

Die große Koalition ist das nächste Verhandlungsziel von SPD und Union. Welche Politiker könnten zu dieser Regierung gehören?

Während sich Union und SPD um die Führung einer künftigen Koalition streiten, kalkulieren Fachpolitiker beider Parteien längst ihre Chancen. Egal, ob Angela Merkel, Gerhard Schröder, Edmund Stoiber oder Peer Steinbrück die Ämter von Kanzler oder Vizekanzler besetzen oder unter sich aufteilen: Auf gute Minister sind sie gemeinsam angewiesen.

Wolfgang Schäuble (CDU)

Auffallend viele Interviews hat der Vizefraktionschef der Union vergangene Woche gegeben. Hinter den Loyalitätsbekundungen für Angela Merkel blinkte stets die Botschaft auf: Ich bin auch noch da. Als Außenpolitiker hat Schäuble für die Kandidatin heikle Missionen in Washington und Moskau gemeistert. Wenn das Außenamt nicht an die Union fällt, würde er auch einen Bundestagspräsidenten mit großer Autorität abgeben.

Günter Beckstein (CSU)

Die Union steht vor der Chance, mit der Innenpolitik eines ihrer Kernthemen zurückzuerobern. Warum das Feld Otto Schily überlassen? Schily musste noch auf die Grünen Rücksicht nehmen. Mit zwei Volksparteien im Rücken könnte Beckstein noch härtere Akzente setzen.

Friedrich Merz (CDU)

Falls die Union nach dem Desaster von Merkels radikalem Erneuerungkurs ihren Anspruch auf Reform nicht ganz aufgeben will, ist der Finanzpolitiker der richtige Mann als Eichel-Nachfolger. Gegenüber der SPD kann er deutlich machen, dass die Union ehrgeizig bleibt, mehr Transparenz und Ehrlichkeit will. Gegen Merz spricht freilich: Er gilt als wenig taktisch, manchmal geradezu unpolitisch. In einer großen Koalition aber muss man sich sehr genau abstimmen.

Annette Schavan (CDU)

Die Stuttgarter Kultusministerin ist eine Vertraute Angela Merkels. Als Bildungs- und Forschungsministerin könnte sie das Amt nicht nur technokratisch führen, sondern wertkonservative Akzente setzen – Signale, die viele Anhänger der Union im Wahlkampf vermissten.

Sigmar Gabriel (SPD)

Der quirlige Niedersachse tut momentan alles, um den Eindruck zu vermeiden, er melde irgendwelche Ansprüche an. Im Kampf um den Posten des SPD-Generalsekretärs könnte trotzdem Andrea Nahles die Nase vorn haben. Auf ein Kommunikationstalent wie Gabriel darf die SPD aber nicht verzichten. Als Bundesminister in einem der Kernthemen Wirtschaft oder Soziales könnte er mit sozialen Signalen die eigene Wählerschaft binden.

Otto Schily (SPD)

Der 73-Jährige denkt gar nicht daran aufzuhören. Sein guter Draht nach Washington würde ihn als Außenminister auch für die Union vielleicht akzeptabel machen, die bessere Beziehungen zu den USA wünscht. Falls das Außenamt im Kabinett an die SPD fällt, ist aber auch EU-Kommissar Günter Verheugen ein Kandidat.

Renate Schmidt (SPD)

Intern loben auch Oppositionspolitiker die Arbeit der Familienministerin. Es wäre widersinnig, wenn eine große Koalition ihren familienpolitischen Aufbruch stoppen wollte, der auf breitem gesellschaftlichen Konsens gründet. Zudem ist die Union in der Familienpolitik schon weiter als das eigene Wahlprogramm.

Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD)

Auf den ersten Blick scheint die Politikerin vom linken Flügel der Sozialdemokraten ganz und gar nicht in eine große Koalition zu passen: Kann ausgerechnet die Hüterin der reinen Lehre dem Gegner die Hand reichen? Andererseits, warum sollte sie nicht? Die international geachtete Entwicklungsministerin könnte ihre Arbeit fortsetzen und gleichzeitig die Parteilinke in den Regierungskurs der SPD einbinden und so disziplinieren.

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