Zeitung Heute : Unter Spannung

Vattenfall hat angekündigt, die Strompreise zu erhöhen – für den Verbraucher heißt das: neu berechnen

Anselm Waldermann

Millionen Kunden des Stromkonzerns Vattenfall müssen sich auf eine Preiserhöhung einstellen. Mehr als sechs Prozent sind in der Diskussion. Wie teuer muss Strom sein?


Durchgesickert war es schon vor einer Weile, jetzt ist es amtlich: Die Verbraucher in Berlin und in Hamburg müssen zum 1. Mai mehr Geld für Strom ausgeben. Der Versorger Vattenfall erhöht die Preise um etwa sechs Prozent. Dem Unternehmen zufolge bedeutet das pro Kunde Mehrkosten von zwei Euro im Monat.

Allerdings gilt das nur für den Standardtarif „Berlin Klassik“. Je nach Verbrauch müssen die Berliner zum Teil deutlich tiefer in die Tasche greifen. So erhöht sich der Tarif „Klassik Plus“, der vor allem von Familien genutzt wird, im Durchschnitt um 8,0 Prozent. Die zusätzliche Belastung pro Monat beträgt hier 4,58 Euro. Ähnlich ist es beim Tarif „Multiconnect“.

Die meisten anderen Versorger in Deutschland hatten ihre Preise bereits zum 1. Januar erhöht. Vattenfall erklärte dagegen noch im Dezember, dass sich die Strompreise für Privatkunden „bis weit in das Jahr 2006 hinein“ nicht erhöhen würden. Ähnliche Töne schlug der schwedische Konzern in seiner jüngsten Werbekampagne an.

Mittlerweile hält der Versorger eine Preisanpassung für unumgänglich. Der Grund seien „massiv gestiegene Strombezugspreise“ an der Leipziger Energiebörse EEX. Dort waren die Preise auf dem Großhandelsmarkt in den vergangenen zwölf Monaten um 55 Prozent gestiegen. Allerdings schlägt sich das nicht voll auf den Endkundenpreis nieder, weil die Strombeschaffung nur ein Fünftel des Endkundenpreises ausmacht. 40 Prozent entfallen auf Steuern, weitere 40 Prozent auf Vertrieb und Netzbetrieb.

Pikanterweise ist der Preisanstieg bei den erneuerbaren Energien deutlich geringer ausgefallen. Das sagte eine Vattenfallsprecherin dem Tagesspiegel. Es ist das erste Mal, dass ein großer Energiekonzern diesen Zusammenhang anerkennt. „Die Beschaffungskosten für regenerativen Strom haben sich nicht so stark erhöht wie die für konventionellen Börsenstrom“, erklärte die Sprecherin. Vor allem die gestiegenen Gaspreise hätten den Strompreis an der Energiebörse EEX in die Höhe getrieben – rund zehn Prozent des in Deutschland verbrauchten Stroms werden mit Gas hergestellt. Strom aus Wind, Wasser und Sonne war von den Preissprüngen an den internationalen Energiemärkten hingegen nicht betroffen. Das spiegelt sich auch in den neuen Tarifen wider. So ist der Ökostrom-Tarif „Öko Pur“ zwar noch immer teurer als der Standardtarif „Berlin Klassik“. Die Erhöhung zum 1. Mai um 2,8 Prozent bleibt aber hinter denen bei anderen Tarifen zurück. Für einen durchschnittlichen Verbraucher bedeutet dies pro Monat nur Mehrkosten von einem Euro.

Derweil kritisierten Verbraucherschützer, dass die Preiserhöhung nicht nachvollziehbar sei. „Mir ist das einfach nicht transparent genug“, sagte Gabriele Francke von der Verbraucherzentrale Berlin. Sie forderte Wirtschaftssenator Harald Wolf (Linkspartei) auf, den Genehmigungsantrag für den gesetzlichen Tarif „Berlin Klassik“ gründlich zu prüfen.

Genau das kündigte dessen Sprecher Christoph Lang auch an. „Vattenfall muss nachweisen, dass die Preise für die Kunden nur in dem Maße steigen wie die Beschaffungskosten“, sagte er dem Tagesspiegel. So werde die Senatsverwaltung möglicherweise weitere Unterlagen von Vattenfall nachfordern. Lang stellte allerdings auch klar, dass der Senat die Tariferhöhung „nicht a priori verbieten“ werde. Das hessische Wirtschaftsministerium hatte dies im Jahr 2005 getan, nachdem einzelne Versorger des Landes ihre Preise um bis zu 15 Prozent erhöht hatten.

Eine Sammelklage wie gegen den Gasversorger Gasag wird es gegen Vattenfall nicht geben. „Das wäre nur schwer durchzusetzen“, sagt Francke. Schließlich hätten Stromkunden – anders als beim Gas – die Möglichkeit, zu einem anderen Anbieter zu gehen. „Ein Wechsel kann sinnvoll sein“, empfiehlt Francke. Allerdings sollte man dazu seinen persönlichen Verbrauch kennen und die Angebote genau durchrechnen.Fotos: Wolf, ddp/ Montage: Mika

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