Zeitung Heute : Unterhaltung: Der Film kommt aus dem Netz

Thomas Steiger

Das Zauberwort für die schöne, neue Medienwelt heißt Digital. Mit dieser Technik ist alles möglich. Filme können schneller und kostengünstiger produziert werden, die Verbreitung von Inhalten wird einfacher und schneller, und wir haben via Kino, Fernsehen, PC oder Handy überall auf der Welt Zugriff auf eben diese Unterhaltung oder Information.

Beim Symposium der Filmförderungsanstalt (FFA) "Die digitale Zukunft - eine Herausforderung für die Filmwirtschaft" stellte sich die Film- und Fernsehbranche dem Thema. Dabei wurde deutlich, dass eine Kostenersparnis durch die Digitalisierung vorerst nicht zu erwarten ist. Auch ist es fraglich, ob der Konsument auch dann mitmacht, wenn die digitale Welt Geld kostet. Zuhause zum Beispiel, wo auch in Deutschland bald die Multimedia Home Plattform auf den Markt kommt, über die Telefon, Internet und Fernsehen laufen sollen. In den USA etwa nutzen nur drei Prozent der Einwohner dieses Angebot - obwohl die halbe Nation an einem High Speed-Kabel hängen könnte. Unterhaltung überall und zu jedem Preis ist offensichtlich nicht gefragt.

Es scheint also ein Mythos zu sein, dass das Internet ein neues Unterhaltungsmedium ist. Im Gegenteil, Unterhaltung steht am Ende der Nutzungsskala. Wichtig sind e-mail und die Nutzung der Recherchemöglichkeiten, sagt Richard S. Wright, Executive Vice President des Filmproduzenten "Lakeshore Entertainment". Diese Funktion soll sich übrigens nach Ansicht von Dr. Helmut Stein, von Nokia, in Zukunft auf die Internetfähigen Handys verlagern. Firmen, die sich der Internetunterhaltung gewidmet haben, haben sich entweder aus dem Geschäft verabschiedet oder konzentrieren sich auf andere Geschäftsfelder. Wright: "Die Industrie sieht das Internet inzwischen eher als ein Risiko, denn eine Chance an."

Doch die Digitalisierung schreitet voran. Zu groß sind die Vorteile, die in ihr gesehen werden: Im Kinobereich ersetzen digitale Filmkopien die schweren Filmrollen und teuren Transport- und Lagerkosten. Allerdings ist der digitale Projektor noch sehr teuer. Den bezahlen die Kinobesitzer, während die Verleihe die Kostenersparnisse haben. Die Filme kommen als bequeme Datei per Satellit, DVD oder Kabel ins Kino. 31 Kinos boten im Sommer weltweit die digitale Projektion an. Elf Filme lagen zur gleichen Zeit in digitaler Form vor. Einer der digitalen Projektoren steht im großen Saal des Zoo-Palastes, wo im Sommer "Fantasia 2000" in digitaler Projektion zu sehen war. Hubert Eisner von Media & Entertainment iXL Germany: "In ein bis zwei Jahren wird in jedem Multiplex-Kino ein Saal mit einem digitalen Projektor ausgerüstet sein."

Doch das ist nicht alles. Durch eine Chipkarte, mit der man den Eintritt zahlt, gibt man auch sein Nutzerprofil ab, das mit weiteren persönlichen Verhaltensdaten, die jeder hinterlässt, wenn er sein Handy einloggt, ins Internet geht oder mit Magnetstreifen ausgerüstete Karten benutzt, verbunden werden. Dadurch lässt sich feststellen welche Interessen die Kinozuschauer im Saal haben, die dann mit einer zielgruppengerechten Werbezusammenstellung aus dem Rechner beglückt werden.

Die Politik hält sich in diesem Bereich zurück. "Wir haben eindeutig noch keine Position zur Digitalisierung", erklärt Knut Nevermann, Ministerialdirektor beim Beauftragten der Bundesregierung für Angelegenheiten der Kultur und der Medien, "das liegt daran, dass die Entwicklung noch längst nicht abgeschlossen ist". Sicher wäre jedoch, "dass dafür gesorgt wird, dass die Veränderungen, die durch die Digitalisierung herbei geführt werden, nicht äzu neuen sozialen Ungerechtigkeiten führen". Der Staat wird dafür sorgen, dass der flächendeckende Zugang zu Informationen erhalten bleibt. Auch die EU tut ihr Bestes. Die Richtlinie "Fernsehen ohne Grenzen", in der etwa der freie Zugang zu (sportlichen) Großereignissen garantiert wird und der Jugendschutz bleiben unangetastet, versichert Patrick Weinheimer, der Generaldirektor der EU-Kommission für Bildung und Kultur. Die FFA wiederum wird Möglichkeiten erarbeiten den Kinos bei der Umrüstung auf digitale Projektoren finanziell zur Seite zu stehen und sie wird eine Studie auf den Weg bringen, die den Beschäftigtenmarkt in der Filmwirtschaft und die Auswirkungen der Digitalisierung darauf untersuchen wird.

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