Zeitung Heute : Unterkunft dringend gesucht

Je mehr Studenten, desto knapper der Wohnraum: Tipps für die Zimmersuche.

Franziska Felber
Platz ist in der kleinsten Hütte. Eine gemütliche Studentenbude wie diese in Kreuzberg wird in diesem Herbst vermutlich schwer zu finden sein. Foto: Doris Spiekermann-Klaas
Platz ist in der kleinsten Hütte. Eine gemütliche Studentenbude wie diese in Kreuzberg wird in diesem Herbst vermutlich schwer zu...

Zum Wintersemester kommen sie wieder scharenweise und sie können einem leid tun: Erstsemester sind oft noch Teenager, haben noch nie allein gewohnt und sind neu in der Stadt. Das sind schwierige Voraussetzungen für die Wohnungssuche. Die doppelten Abiturjahrgänge erschweren die Lage zusätzlich.

In Berlin herrscht kein so großer Wohnungsnotstand wie in kleinen deutschen Universitätsstädten, wo zum Semesterstart Feldbetten errichtet und WG-Speed-Datings veranstaltet werden. Doch auch der Wohnungsmarkt der Hauptstadt hat für Studenten immer weniger zu bieten. Wie sehr sich der Markt verändert hat, zeigt sich auch an den Bewohnern der Studentenwohnheime der Stadt. Bisher wurden die Zimmer des Studentenwerks zum überwiegenden Teil von Studierenden und Stipendiaten aus dem Ausland genutzt. Inzwischen aber bewerben sich immer mehr deutsche Studenten, die Plätze sind außerdem länger belegt – früher waren sie oft nur Durchgangsstation.

Dennoch werden jeden Monat mehrere hundert Plätze frei. Erstsemester haben somit eine realistische Chance auf ein Zimmer im Wohnheim. Sobald die Immatrikulationsbescheinigung vorliegt, sollte man sich bewerben, denn die Plätze werden in der Reihenfolge der Bewerbungen vergeben. Das Verfahren findet online statt, unter www.studentenwerk-berlin.de.

Jürgen Morgenstern vom Studentenwerk rechnet damit, dass im kommenden Wintersemester jeder Bewerber bis Januar ein Angebot bekommen wird. „Voraussetzung ist, dass sie ihre Unterlagen rechtzeitig beisammen haben und keinen Platz in der Innenstadt erwarten.“ Die beliebtesten Wohnorte für Studenten seien Kreuzberg, Friedrichshain und neuerdings auch Wedding. Wer hier einen Wohnheimplatz ergattert, gibt ihn so schnell nicht wieder her.

Auch bei den Wohnungsbaugesellschaften gibt es immer wieder günstige Angebote für Studenten. Ist der Wohnungswunsch aber untrennbar mit einem bestimmten Kiez verbunden, sollte man sich an WG-Zimmern orientieren. Auch dazu bietet das Studentenwerk auf seiner Webseite eine Wohnungsbörse für private Anbieter. Daneben gibt es die einschlägigen Seiten wie www.wg-gesucht.de und www.studenten-wg.de. Angebote zur Zwischenmiete in möblierten Zimmern gibt es auf www.mitwohnzentrale.de und www.homecompany.de.

Wer eine neue WG eröffnen will, muss sich gerade in den Innenbezirken gegen viele Mitbewerber durchsetzen. Es ist ratsam, schon bei der Wohnungsbesichtigung alle Unterlagen parat zu haben. Makler und Wohnungseigentümer verlangen meist eine Schufa-Auskunft, außerdem einen Einkommensnachweis oder eine Bürgschaft der Eltern.

Für Studierende mit schlankem Geldbeutel und sozialer Ader hat sich in einigen deutschen Städten das Modell „Wohnen für Hilfe“ durchgesetzt. Studenten ziehen kostenlos oder zu einem günstigen Mietsatz bei Senioren ein, als Gegenleistung helfen die Jungen den Alten im Alltag, bei Einkäufen, Hausarbeiten und sonstigen Erledigungen. In Berlin läuft gerade ein Pilotprojekt von Senat und Studentenwerk. Bis das Projekt in eine neue Runde geht, können Angebote und Gesuche auf der Webseite www.pluswgs.de abgegeben werden.

Ist der Semesterstart da und keine passende Unterkunft gefunden, bleibt noch das Studentenhotel Hubertusallee des Studentenwerks in Grunewald. Hier werden zum Semesterstart monatsweise Wohnungen vermietet, hauptsächlich an Austauschstudenten. Ein Einzelzimmer mit 13 Quadratmetern kostet 200 Euro, ein Doppelzimmer 180 Euro pro Person.

Wer sich auf Wohnungssuche begibt, dem rät Jürgen Morgenstern vom Studentenwerk „zunächst vor allem einen kühlen Kopf zu bewahren“. Er empfiehlt auch einen Blick auf die schwarzen Bretter in den Universitäten. Dort werden häufig Zimmer und Wohnungen angeboten. Nicht zuletzt sei es sinnvoll, das unmittelbare Umfeld in die Suche mit einzubeziehen – auch eine Facebook-Anfrage kann Wunder wirken. Franziska Felber

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