Zeitung Heute : Unternehmen und Umwelt: Öko-Radarsystem für Betriebe

Andreas Oberholz

Mit dem Früherkennungssystem auf der Internetplattform www.oekoradar.de können Unternehmen in den kommenden Monaten "Schritt für Schritt" ihre betrieblichen Umweltdaten, ihre Umweltpolitik und ihre betrieblichen Umweltziele systematisch erfassen und bewerten. Soweit zumindest die Theorie des vom Bundesforschungsministerium und vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt angeschobenen Verbundprojekts. Idee und Gesamtleitung des sechs Millionen Mark teuren Vorhabens liegen bei Professor Werner Schulz, ehemals Direktor beim Umweltbundesamt, heute Lehrstuhlinhaber für Umweltmanagement an der Universität Hohenheim und Leiter des Deutschen Kompetenzzentrums für Nachhaltiges Wirtschaften (DKNW) an der Universität Witten-Herdecke. Schulz will "mit möglichst einfachen und überzeugenden Mitteln jene Unternehmen zum nachhaltigen Wirtschaften anspornen, die sich mit diesem Aspekt bislang gar nicht oder kaum beschäftigt haben". Und das sei ein Großteil der bundesweit über drei Millionen Betriebe.

Bis das Portal diesem Anspruch gerecht werden kann, ist jedoch noch einige Arbeit zu leisten. In 18 Workshops sollen bis zum Jahre 2004 jeweils 40 bis 50 Experten aus Wirtschaft und Wissenschaft entsprechenden Input erarbeiten. Die Ergebnisse dieser Expertenrunden werden in einem Zwischenschritt den Umweltverantwortlichen der beteiligten Pilotunternehmen - derzeit über 70 - vorgelegt, dort gegegebenfalls ergänzt und dann in die acht Ökoradarschirme eingefügt. Heinz Linsenmann, Umweltbeauftragter der Sparte Aesculap im B. Braun-Konzern Melsungen, sieht Ökoradar als Chance, den Erfahrungsaustausch mit anderen Unternehmen zu erweitern. Dabei will Aesculap sowohl nehmen als auch geben. Die Reduzierung der Abwässer im Galvanikbereich des Unternehmens etwa liege "weit über dem Stand der Technik".

Im Zentralreferat Umwelt des Papierherstellers Haindl in Augsburg motiviert vor allem die Aussicht "auf schnelle Infos im Ökoradar oder per Link" zur Teilnahme am Projekt, so eine Sprecherin. Die Schnelligkeit des Mediums Internet in Verbindung mit der Erweiterung der Zahl potenzieller Partner für einen Erfahrungsaustausch verfängt auch beim Konsumgüterhersteller Faber-Castell. Hermann Belch, verantwortlich für Corporate Quality in den 14 rund um den Globus verteilten Werken, erwartet "Trends frühzeitiger erkennen zu können", damit sein Unternehmen "agieren statt reagieren kann". "Faber-Castell", so erklärt er, "legt mit seine System Fabiqus (Fabers integriertes Qualitäts-, Umwelt-, Sicherheits- und soziales Managementsystem) ohnehin den Schwerpunkt weniger auf Zertifikate als auf einen Prozess kontinuierlicher Verbesserungen." Durch Ökoradar ließen sich vermutlich Methoden erarbeiten, umweltrelevante Prozesse im Betrieb zu analysieren. Ökoradar-Projektleiter Schulz, ehemaliger Chefökonom des Umweltbundesamtes, sieht auch einen attraktiven Nebeneffekt: "Die Betriebe können Umwelt-PR daraus ableiten."

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