Zeitung Heute : Unternehmergeist wecken

Die FHW bietet den berufsbegleitenden MBA-Studiengang „Entrepreneurial Management“ an

Volker Schubert

Sich mit innovativen Produkten und maßgeschneiderten Strategien erfolgreich auf internationalen Märkten etablieren: Das lernen angehende Master of Business Administration im berufsbegleitenden Studiengang „Entrepreneurial Management“. Ein darin eingebettetes deutsch-amerikanisches Projekt ist besonders außergewöhnlich, sowohl dies-, als auch jenseits des Atlantiks: Studierende der Fachhochschule für Wirtschaft Berlin (FHW) und der Barton School of Business der Wichita State University (WSU) arbeiten in Projektteams zusammen und werden auch gemeinsam benotet. Für ein berufsbegleitendes Studium ist das echte Pionierarbeit. Zum ersten Mal wurde das Projekt im Januar 2005 durchgeführt, nun läuft der dritte Durchgang – mit Erfolg.

Das Studium richtet sich in erster Linie an Führungskräfte und Eigentümer mittelständischer Unternehmen, die Wachstums- und Innovationsprozesse anstoßen wollen. Besondere Bedeutung kommt dabei dem Internationalen Management zu. Denn wer als kleiner oder mittelständischer Unternehmer auf dem Weltmarktparkett schwarze Zahlen schreiben will, braucht professionelle Managementkompetenzen: Wie identifiziere ich Marktchancen und Markteintrittsbarrieren? Was ist strategische Geschäftsfeldplanung? Und entspricht mein Marketingkonzept überhaupt dem internationalen Kundenkreis? „Der Mittelstand braucht Entrepreneurship“, findet Sven Ripsas, Direktor des Institute of Management Berlin (IMB) der FHW. Menschen mit Unternehmergeist seien die „Zugpferde“ mittelständischer Betriebe und sicherten diesen mit Innovationsgeist und nachhaltigem Management entscheidende Marktanteile.

Doch gerade im Mittelstand fehlen häufig systematische betriebswirtschaftliche Kenntnisse. Um diese Lücke zu schließen, hat das Institut das zweijährige Studium „Entrepreneurial Management“ ins Leben gerufen, das parallel zum Job absolviert werden kann und mit dem Titel „Master of Business Administration“ schließt. „Die Kernkompetenz am IMB ist hoher Praxisbezug“, sagt Sven Ripsas. „Unsere Dozenten verfügen über eigene Erfahrungen in internationalen Managementpositionen und als selbständige Unternehmer.“ Ein wichtiger Teil der deutsch-amerikanischen Kooperation sind Firmenprojekte. Das besondere: Die Studierenden brüten nicht über theoretischen Fallstudien, sondern arbeiten mit ihren Kommilitonen aus den USA an Konzepten für real existierende Berliner und US-Unternehmen. „Das bietet echten Mehrwert für Studierende und Unternehmen“, sagt Ripsas. Nicht zuletzt, weil zu jedem Projekt ein internationaler Branchencheck gehört.

Und so tüftelt MBA-Student Friedhelm Keil derzeit mit seinen drei Mitstreitern – darunter zwei Studierenden aus Wichita – via Internet und Videokonferenzschaltung an einer strategischen Geschäftsfeldanalyse: Wie fasst ein amerikanischer Produzent von Gartenaccessoires auf dem deutschen Markt Fuß? Wie kann er sich deutsche Baumärkte als Distributionskanäle erschließen? Wie einen Online-Vertrieb aufbauen? Für seine Analyse hat der 53-jährige Ingenieur noch einige Wochen Zeit. Ende März geht es dann für ihn und 18 Kommilitonen in die USA – zur Präsentation des Lösungsansatzes und Benotung durch die betreuenden Professoren aus Wichita und Berlin.

Bereits Mitte Januar waren die amerikanischen Studierenden zu Gast an der FHW – mit leichter Verspätung. Startverbot für American Airlines, Flug 4429: Schneesturm in Chicago. Studiengangskoordinatorin Bettina Barenscheer nahm’s gelassen. „Genau solche Herausforderungen sind die Stärke des Projekts“, sagt sie. „So etwas steht nicht im Lehrplan, ist aber Alltag im International Management.“ Um einen Tag verschoben war das einwöchige Programm der Gäste dann eng gestrickt. Je zwei Deutsche und zwei Amerikaner fanden sich zu einem Team zusammen. Rasch galt es, Aufgaben zu analysieren, erste Planungsschritte zu unternehmen und Zuständigkeiten festzulegen. Trotz Internet sieht Bettina Barenscheer im persönlichen Umgang der internationalen Teams eine wichtige Basis für die spätere Zusammenarbeit.

Außerdem lernten die Gäste die Berliner Unternehmens- und Innovationslandschaft kennen. Wichtige Station: der Wirtschafts- und Technologiepark in Adlerhof, an dem sich über 300 technologieorientierte Unternehmen angesiedelt haben. Für WSU-Student Aaron Bushel war der einwöchige Besuch ein echtes „eye-opening“. Der gezielte Einblick in Unternehmenskultur und Geschäftswelt moderner deutscher Unternehmen, sagt er, sei für ihn eine wichtige Erfahrung gewesen.

Mehr Infos im Internet:

www.mba-berlin.de

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