Zeitung Heute : Unterschätzte Zwiebelpflanzen

Milchsterne sind allgemein nicht besonders beliebt – doch sie verdienen einen Platz im Garten.

Hübsch und wenig anspruchsvoll. Der weiß blühende Dolden-Milchstern ist der bekannteste Vertreter der Gattung. Foto: Tassilo Wengel
Hübsch und wenig anspruchsvoll. Der weiß blühende Dolden-Milchstern ist der bekannteste Vertreter der Gattung. Foto: Tassilo...

Die einen breiten sich im Garten schnell aus, andere Arten sind nicht winterhart: Milchsternen wird allgemein keine große Zuneigung entgegengebracht. Doch unter den etwa 150 Arten der Gattung gibt es einige, die einen Platz im Garten verdienen.

Der bekannteste Vertreter ist der Dolden-Milchstern (Ornithogalum umbellatum), häufig auch „Stern von Bethlehem“ genannt. Er ist im gesamten Mittelmeergebiet einschließlich Osteuropa heimisch. Er war bereits im 15. Jahrhundert in Italien als Gartenpflanze bekannt, wo er von Leonardo da Vinci gezeichnet wurde. Über die Alpen kamen die Pflanzen in der Mitte des 16. Jahrhunderts. Aber erst im 18. Jahrhundert wurde Ornithogalum umbellatum zur typischen Pflanze deutscher Bauerngärten. Die Art hat schmale, tiefrinnige, grundständige Blätter und bildet im April und Mai eine flache Dolde. Sie besteht aus weißen, sternförmigen Blüten mit einem grünen Streifen auf der Rückseite. Eine hübsche, anspruchslose Pflanze – die aber lästig werden kann, weil sie sich stark ausbreitet.

An den Boden stellt der Dolden-Milchstern keine besonderen Ansprüche, er gedeiht an sonnigen bis halbschattigen Standorten. Man kann ihn am Gehölzrand zwischen lichtem Gebüsch, auf Rabatten mit Stauden und auf Wiesen verwenden. Am besten legt man die Zwiebeln im Spätsommer je nach Größe sechs bis acht Zentimeter tief in Gruppen.

Nahe verwandt ist der Mittelmeer-Milchstern (Ornithogalum collinum). Er wächst am Mittelmeer auf freien Flächen an Berghängen und zwischen Gebüsch. Die Pflanze wird nur etwa zehn Zentimeter hoch und bildet lange, schmale Blätter. Im April erscheinen die weißen Blüten mit einem grünen Streifen auf der Rückseite. Sie stehen auf sehr kurzen Stängeln und sind zu kleinen Dolden vereinigt. Die Art bevorzugt einen sonnigen Standort und gut durchlässigen Boden. Sie eignet sich besonders für Steingärten und benötigt in unseren Breiten etwas Winterschutz aus Reisig.

Auch der Zwergmilchstern (Ornithogalum nanum) bleibt mit fünf bis zehn Zentimetern sehr niedrig. Er stammt aus Italien und von der Balkanhalbinsel und bildet schmale, auf dem Boden aufliegende Blätter. Bereits im März und April erscheint die kleine, kopfförmige Traube aus vielen weißen Blütensternen mit fahlgrünen Streifen auf der Rückseite. Der Zwergmilchstern bevorzugt ebenfalls einen sonnigen Standort, durchlässigen Boden und wirkt am besten im Steingarten.

Eine Zwergart aus der Türkei ist der Anatolische Frühlingsmilchstern (Ornithogalum balanse). Er wächst in Armenien und im Nordosten der Türkei auf alpinen Wiesen. Die Blätter sind lineal, acht bis 15 Zentimeter lang und glänzend. Von März bis April erscheinen die reinweißen Blüten, die auf der Rückseite einen breiten grünen Streifen tragen und zu zwei bis fünf in doldigen Trauben zusammenstehen. Man verwendet die Art ebenfalls gern im Steingarten, aber auch am Rande von Gehölzstreifen sind sie in Gemeinschaft mit Krokus oder Leberblümchen sehr wirkungsvoll.

Zu den schönsten winterharten Arten gehört der Nickende Milchstern (Ornithogalum nutans). Er stammt aus Südosteuropa und ist bei uns stellenweise verwildert anzutreffen. Die Pflanze bildet graugrüne, breit lanzettliche Blätter, die bereits zur Blütezeit verwelken. Von April bis Mai schmückt sich der Nickende Milchstern mit einem 25 bis 50 Zentimeter hohen Blütenstand, der aus einer lockeren Traube mit bis zu zwölf Einzelblüten besteht. Sie sind glockig-sternförmig, innen weiß und außen mit grünlichem Streifen versehen. Im Gegensatz zu den meisten anderen Arten gedeiht diese auch gut im leichten Halbschatten. Man verwendet ihn gern am Rand von kleinen Sträuchern oder auf der Staudenrabatte.

Weite Verbreitung hat der Narbonne-Milchstern (Ornithogalum narbonense). Er kommt im Mittelmeerraum einschließlich Nordafrika vor, sein Areal reicht bis zum Kaukasus und nach Westasien. Die schmalen graugrünen Blätter sind 30 bis 50 Zentimeter hoch und zur Zeit der Blüte meist bereits abgestorben. Im Juni und Juli entfaltet sich der attraktive Blütenstand auf 40 bis 60 Zentimeter hohen Schäften. Er besteht aus zahlreichen reinweißen Blüten, die in einer pyramidalen Traube zusammenstehen. Die Außenseite der Blütenblätter schmückt ein schmaler grüner Mittelstreifen.

Sehr ähnlich ist Ornithogalum pyramidale, ein Bewohner grasiger Plätze auf der Balkanhalbinsel und in Vorderasien. Da die Art dem Narbonne-Milchstern sehr ähnlich ist, werden beide gelegentlich miteinander verwechselt. Als Standort empfiehlt sich für beide ein sonniger Platz im Steingarten oder auf der Staudenrabatte und gut durchlässiger Boden.

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