Zeitung Heute : Untersucht wird auch der Millionen-Kredit der Bank

Der Tagesspiegel

Von Ralf Schönball

Alle Hände voll zu tun haben die Ermittler im Fall Aubis. Doch obwohl die Akte über die beiden Zentralfiguren der Banken- und Parteispenden-Affäre eine ganze Reihe mutmaßlicher Betrügereien dokumentiert, sitzen die beiden Großkreditnehmer der Berlin Hyp bisher nur wegen der Wärmelieferungen der Firma Elpag in Haft. „Die Staatsanwaltschaft wollte sich zunächst auf diesen Fall beschränken“, heißt es in Justizkreisen, „den anderen Vorwürfen wird aber weiter nachgegangen.“ Gemeinsam ist allen Vorwürfen rund um das Aubis-Imperium eins: Die Unternehmer sollen in die eigene Tasche gewirtschaftet haben und damit die landeseigene Berlin Hyp geschädigt haben.

Im Mittelpunkt der mutmaßlich betrügerischen Manöver stehen etwa 10000 Wohnungen in Plattenbauweise. Diese hatten Wienhold und Neuling mit Krediten über rund 300 Millionen Euro von der damals durch Klaus Landowsky angeführten Berlin Hyp erworben. Doch die Aubis-Geschäfte schlugen fehl, und eine Bankentochter übernahm die Verwaltung der Wohnungen, um eine Insolvenz von Wienhold und Neuling zu verhindern. Bevor die Aubis-Chefs aber die Bauten übergaben, schlossen sie langjährige Verträge über die Lieferung von Energie mit der Firma Elpag ab. Zu marktüblichen Konditionen, versicherten sie der Bank schriftlich. Auch einem Gericht in Leipzig verschwiegen sie die Wahrheit.

Doch die Ermittler fanden heraus: Wienhold und Neuling sind „inoffiziell an der Elpag beteiligt“. Außerdem seien „ihnen durch die Abrechnung überhöhter Wärmekosten Gelder aus dem Unternehmensbereich der Elpag“ zugeflossen. Wienhold und Neuling waren sogar für ein Elpag-Konto zeichnungsberechtigt. Dies geht aus Unterlagen hervor, die dem Tagesspiegel vorliegen. Für die Staatsanwaltschaft ist damit klar: Die Aubis- Chefs verursachten der Bank einen Vermögensschaden in Höhe von 2,6 Millionen Euro. Da die Verträge angeblich 16 Jahre laufen, steigt der Schaden Jahr für Jahr. Außerdem verhindern die teuren Wärmekosten eine wirtschaftliche Vermietung der Wohnungen – ein zusätzlicher Schaden für die Bank. Das überzeugte den Richter am Landgericht, die mutmaßlichen Betrüger hinter Schloss und Riegel zu bringen.

Dazu brauchten die Ermittler der Staatsanwaltschaft nicht einmal mutmaßliche Betrügereien bei der Abrechnung von Makler-Honoraren ins Feld führen. Wie der Spiegel meldete, hatten die Aubis-Chefs bei der Berlin Hyp Rechnungen der Firmen Andex, Domcura und Vivat über die angebliche Vermittlung von Plattenbauten an Aubis eingereicht. Aus Unterlagen, die dem Tagesspiegel vorliegen, verlangten die Unternehmer von der Bank über 4 Millionen Euro im Namen der genannten Firmen. Später fand die Kripo heraus, dass die Andex nicht einmal über eine Gewerbegenehmigung verfügte.

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!