Zeitung Heute : Uralte Dokumente halfen weiter

-

Einen weiteren Schwerpunkt der Ausstellung „Preußisch Grün“ bilden auch die gartendenkmalpflegerischen Wiederherstellungsarbeiten durch die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten BerlinBrandenburg. In den ehemaligen Grenzgebieten der Park- und Gartenanlagen von Babelsberg, dem Neuen Garten, auf dem Pfingstberg und in Sacrow sind die zum Unesco-Weltkulturerbe gehörenden Anlagen nach einem guten halben Jahrhundert wieder nahezu vollständig als Gesamtkunstwerk erlebbar. An dezentralen Standorten geben temporäre Installationen mit Erläuterungstafeln einen Überblick über die Zustände nach dem Fall der Mauer und über die Arbeiten der letzten, fast 14 Jahre.

Besonders schwer betroffen durch die Grenzanlagen war der Sacrower Garten. Acht Hektar waren abgetrennt und damit völlig zerstört worden. Im direkten Grenzstreifen an der Havel war der Garten völlig verloren, der Rest durch Einbauten verschandelt, verwahrlost und zugewuchert. Historische Fotos und Pläne halfen der Stiftung bei der Wiederherstellung von Sichtachsen und Wiesenpartien. Ein Zustandsplan von 1847, der das Ergebnis der Tätigkeit Lennés darstellt, war die wichtigste Unterlage. Jetzt stellen die Sichtachsen an der Gartenseite des Schlosses Sacrow wieder die optische Verbindung nach Glienicke, Babelsberg, Potsdam und zum Neuen Garten her.

Ebenfalls verwüstet und verwahrlost war das Gebiet am Pfingstberg. Denn westlich des Neuen Gartens entstand im Laufe der Jahrzehnte eine sowjetische Militärstadt. Nachdem weit über 4000 Quadratmeter Betonflächen und rund 880 Quadratmeter Asphaltstraße abgerissen und abgefahren worden waren, konnte das ursprüngliche Geländeprofil aufgebaut werden. Es wurde ein Lage- und Höhenplan aus den 1920er Jahren mit einem neuen Aufmaß übereinander gelegt. Beide Pläne wurden in Deckungsgleiche gebracht. So ließ sich ein Drittel des Parks wieder herstellen, der Rest wurde rekonstruiert.

Im Neuen Garten, der sich längs am Ufer des Heiligen Sees und des Jungfernsees ausbreitet, schloss die DDR erst nach 1963 die Mauer um Berlin. Doch trotz der Verwahrlosung konnten die Fachleute 1990 im Hinterlandbereich, also im Gelände vor der eigentlichen Mauer, noch die Gesamtstruktur der historischen Gartenanlage erkennen. Ganz anders sah es im vorderen Mauerstreifen aus: Der Gehölzbestand war vernichtet, das Gelände planiert und eine Herbizid-Mischung auf dem breiten Streifen unterband jeglichen Pflanzenwuchs.

Auch hier halfen alte Pläne, um den historischen Gartencharakter sichtbar zu machen. Die heute mittlerweile sehr dicht gewordenen Gehölzpartien entlang des Jungfernsees, die nach 1990 angepflanzt wurden, lassen kaum noch die einstigen Probleme erkennen.

Großartiges haben die Gartendenkmalpfleger auch mit der Wiederherstellung des Wegenetzes im Park Babelsberg geleistet. 13 Hektar des Parks waren durch den Bau der DDR-Grenzanlage beschädigt oder zerstört. Nun laden 25 Kilometer Wege wieder zum Flanieren und zum Spazierengehen ein.

Der große Rundweg im oberen Bereich – von Lenné angelegt – verbindet alle wichtigen Höhepunkte des Areals miteinander und bildet das Grundgerüst des Wegenetzes. Von hier aus schlängeln sich Fußpfade durch den Park, und Serpentinenwege verbinden die höher gelegenen Abschnitte mit der tiefsten Aussichtsebene an der Havel. In lang gestreckten Kurven bietet der Uferweg einen abwechslungsreichen Blick zunächst auf die Glienicker Brücke und nach Sacrow. Nach der Bucht mit der Rosentreppe kann man die Silhouette Potsdams genießen. W. H.

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar