URAUFFÜHRUNG„Der Fall Janke“ und „Staats-Sicherheiten“ : Hinterlassenschaften

Antje Horn-Conrad

Was kann ein Mensch hinterlassen, wenn er den Großteil seines Lebens in der Psychiatrie verbrachte? Was geschieht mit seinen unerfüllten Träumen, den Gedanken und Plänen, die er nicht umsetzen konnte? Als der Wissenschaftler Karl Hans Janke 1988 nach fast 40 Jahren Aufenthalt in der Psychiatrischen Klinik Hubertusburg starb, fand man lauter kühne Entwürfe und Konstruktionen, die kein Amt zu seinen Lebzeiten ernst genommen hatte. Schließlich war bei Janke wegen wahnhaften Erfindens eine Schizophrenie diagnostiziert worden, zur selben Zeit, als Wernher von Braun, der „Zyniker der Macht“, eine wissenschaftliche Karriere in den USA machte. Die Autoren Adriana Altaras und Dirk Olaf Hanke fragen, ob Janke unter anderen Umständen eine ebensolche Entwicklung hätte nehmen können. Nach den biografischen Materialien schrieben sie über den „Fall Janke“ ein Bühnenstück, das mit Christian Klischat (Foto) in der Titelrolle im Hans-OttoTheater uraufgeführt wird.

Auch das Theaterprojekt „Staats-Sicherheiten“, das ebenfalls Premiere hat, basiert auf biografischen Zeugnissen der jüngeren deutschen Geschichte. Es entstand nach einem Konzept der Journalistin Lea Rosh und der Psychologin Renate Kreibich-Fischer. 15 ehemalige Häftlinge aus Stasigefängnissen erinnern sich an Spitzel und Vernehmungen, an Verrat und falsche Freunde, an die Mechanismen der Unterdrückung und die Strategien, die sie überleben ließen. Mitwirkende sind unter anderem die Bürgerrechtlerin Vera Lengsfeld und Liedermacher Stephan Krawczyk. Antje Horn-Conrad

Hans-Otto-Theater, Fr 17.10., 19.30 Uhr (Fall Janke), Sa 18.10., 19.30 Uhr (Staats-Sicherheiten), 10-31 €, erm. 7-21,50 €

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