Zeitung Heute : Urlaub mit dem Professor

Als erste Universität bietet die HU Fernreisen für jedermann an, die von Forschern geleitet werden

Constanze Haase

„Happy-Face Spider“ steht in jedem Fall auf dem Reiseprogramm. Die tropische Spinne, deren Farbmuster einem breiten Grinsen ähneln, ist ein wahrer Hingucker unter den Insektenforschern und -liebhabern. „Diese faszinierenden Tiere sind auf Hawaii einzigartig und verstecken sich gerne im Grün der Vulkanlandschaft. Ich weiß, unter welche Blätter wir schauen müssen, um die seltenen Spinnen zu entdecken“, sagt Hannelore Hoch, die seit 1994 auf dem Gebiet Systematische Zoologie am Museum für Naturkunde der Humboldt-Universität forscht.

Achtmal war Hannelore Hoch bereits zu Forschungszwecken auf Hawaii, um die Schönheiten der noch wenig erforschten Gebiete Big Islands und die Entstehung der einheimischen Biodiversität der größten Insel des Archipels genauer unter die wissenschaftliche Lupe zu nehmen. Am 15. April 2009 hebt Hannelore Hoch mit dem Flieger wieder gen Hawaii ab – diesmal jedoch wird sie von Touristen begleitet.

Als bundesweit erste Universität bietet die Humboldt-Uni Forschungsreisen an, die für jedermann buchbar sind. Unter dem Motto „Auf den Spuren der Wissenschaft – auf den Spuren Alexander von Humboldts“ werden in den „Humboldt-Exkursionen“ Länder bereist, in denen Wissenschaftler der Universität seit Jahren arbeiten und forschen. Fünf Ziele werden im aktuellen Reisekatalog, einer Kreuzung aus Vorlesungsverzeichnis und Urlaubsreisenbroschüre, vorgestellt: Neben Hannelore Hoch begibt sich der Archäologe Veit Stürmer mit seinen Urlaubern in Kuba auf die Spuren Alexander von Humboldts, dem „Zweiten Entdecker Kubas“. Der Geograf Ludwig Ellenberg erforscht mit seiner Reisegruppe die Formung von Tälern und Küsten in den regenreichen und vulkandurchsetzten Regionen Costa Ricas und Panamas. Bei langen Wanderungen und zahlreichen Treffen mit Experten aus Ministerien, Universitäten und Unternehmen werden der Naturschutz und der Einfluss der Produktion von Kaffee, Fleisch und Bananen auf die kulturlandschaftliche Prägung diskutiert. Islamwissenschaftler Peter Heine nimmt seine Gruppe mit nach Kairo, eine der wichtigsten Städte der islamischen Welt, und Geologe Mohsen Makki lädt zu einer kulturgeografischen Reise in den Iran ein.

Wer sich mit dem Professor als Reiseleiter auf Stippvisite in eines der fernen Länder begibt, den erwartet keine klassische Urlaubsreise, sondern ein wissenschaftliches Abenteuer. „Ich werde alle Reiseteilnehmer zuvor zu einem Vortrag einladen, um sie auf die Eigentümlichkeiten der Einheimischen einzustimmen und auf Verhaltensweisen vor Ort vorzubereiten. In wilde Lavahöhlen kommen Urlauber nicht alle Tage“, sagt Hannelore Hoch über ihre Reise nach Hawaii.

Wie alle anderen Wissenschaftler hat sie die Reise selbst geplant. Zum ersten Mal wird sie als Reiseleiterin auftreten – für die promovierte Biologin eine neue Rolle. Ein mulmiges Gefühl, den Erwartungen der Mitreisenden nicht zu entsprechen, beschleicht sie manchmal schon. „Ich bin bei der Planung einfach davon ausgegangen, was mir selbst am besten gefallen würde. Zusätzlich werde ich mir vorher Tipps von einem Reiseleiter holen, bin aber für spontane Wünsche meiner Reisegruppe offen.“

Das Konzept der „Humboldt-Exkursionen“ ist auch für die Forscher reizvoll. Der Gewinn jeder Reise kommt dem Institut oder der Arbeitsgruppe des Reiseleiters zugute. „Ziel ist es, die zahlreichen Forschungsunternehmungen von HU-Dozenten im Ausland auch externen Interessenten zugänglich zu machen, um so die wissenschaftlichen Leistungen der Universität in die Öffentlichkeit zu transferieren“, sagt Roman Kandler von der Humboldt-Innovation, einer hundertprozentigen Tochter der HU, die für die Vermarktung der universitären Wissenschaft zuständig ist.

Je nach Ziel kosten die Reisen zwischen 2500 und 6500 Euro pro Person. Die Gruppen auf den fünf- bis 22-tägigen Reisen sind auf acht bis achtzehn Personen begrenzt, Flug und Unterkunft in hochwertigen Hotels inbegriffen. „Wenn die Nachfrage das Angebot rechtfertigt, sind künftig auch subventionierte Reisen für Studierende oder Interessenten mit kleinerem Budget denkbar“, sagt Kandler. 2010 sollen Ziele wie Norwegen, Peru, Frankreich und Madagaskar hinzukommen. Constanze Haase

Mehr im Internet:

www.humboldt-exkursionen.de

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