Zeitung Heute : Urlaubsgrüße aus Montreal

Rainer W. During

Das Montreal-Abkommen tritt in Kraft – damit werden Schadenersatzansprüche bei Flugreisen neu geregelt. Was kostet das die Unternehmen und den Reisenden?

Zwei Stunden vor Abflug da sein, in lange Schlangen vor dem Check-In-Schalter einreihen, doch nicht den gewünschten Sitzplatz bekommen und dann feststellen, dass das Flugzeug, das einen in den ersehnten Urlaub – oder schlimmer: zurück – bringen soll, um Stunden verspätet ist. Wer außer der Wut im Bauch nichts davon hatte, wird nun besänftigt, denn das Montreal-Abkommen, das seit 1999 existiert, gilt seit Montag auch in Deutschland.

Dieses regelt den Ersatz von Schäden, die einem Passagier durch Flugverspätungen entstehen. Luftverkehrsgesellschaften haften jetzt bis zu einer Summe von etwa 5000 Euro. Bei Verlust, Beschädigung oder Verspätung von Gepäck sind es 1200 Euro (bisher etwa 540 Euro), die dem Gast zur Verfügung gestellt werden.

Wenn es bei dieser Art von Entschädigung um verhältnismäßig kleine Summen geht, betreffen die Regelungen des Montrealer Abkommens von Flugunfällen Betroffene doch mehr. Es besagt, dass Angehörigen von Opfern langwierige Schadenersatzprozesse erspart bleiben und sorgt ab sofort für eine unbegrenzte Haftung bei Unfallschäden.

Bis zu einem Betrag von etwa 121000 Euro ist die Schuldfrage dabei sogar unerheblich. Und bei höheren Ansprüchen sind nicht mehr die Opfer oder deren Hinterbliebene beweispflichtig. Künftig muss die Fluggesellschaft nachweisen, dass sie den Schaden nicht verursacht hat oder er allein auf das Verschulden Dritter zurückzuführen ist. Damit werde eine Vielzahl der bisher notwendigen Prozesse nach einer Katastrophe überflüssig. Das komme auch die Airlines billiger als kostenintensive Rechtsstreitigkeiten.

Maßgeblich waren bisher die veralteten Bestimmungen der Warschauer Abkommen von 1929 und des ergänzenden Haager Protokolls von 1955. Danach war die Höchstsumme, die eine Fluggesellschaft bei Personenschäden zahlen musste, auf 27000 Euro je Fall begrenzt. Gelegentliche höhere Entschädigungen waren freiwillige Leistungen einzelner Airlines oder Ergebnisse komplizierter gerichtlicher Auseinandersetzungen.

Höhere Flugpreise sind aufgrund der drastisch angehobenen Ersatzbeträge nicht zu erwarten. So werden auf die Passagiere auch keine Zuzahlungen zukommen, wie Lufthansa-Sprecher Bernd Hoffmann versichert.

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