Zeitung Heute : US-Fonds kauft DRK-Grundstücke

Der Tagesspiegel

Mehr als 40 Grundstücke des Landesverbands Berlin des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) sind jetzt verkauft worden. Das bestätigte der Sprecher des Landesverbands, Dieter Hauptmann, am Mittwoch auf Anfrage. Die letzten Verträge seien in den Tagen nach Ostern unterzeichnet worden. Käufer ist der amerikanische „Lone Star Fund“, der einen Pensionsfonds betreibt. Wie viel Geld die Amerikaner für die Grundstücke auf den Tisch legen, wollte Hauptmann aber nicht sagen. Der DRK-Landesverband befindet sich im Insolvenzverfahren; Insolvenzverwalter Udo Feser ist verreist und will in der zweiten Aprilhälfte Genaueres bekannt geben.

Aus Kreisen der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi verlautet, Lone Star habe knapp 100 Millionen Euro für die vermutlich 43 Grundstücke mitsamt den darauf befindlichen Einrichtungen gezahlt. Bei Beginn der Verhandlungen im vergangenen Jahr sei von Summen zwischen 150 und 190 Millionen Mark die Rede gewesen. Lone Star hatte vor einem Jahr schon 3300 ostdeutsche Plattenbauten gekauft und saniert, unter anderem in Hellersdorf.

Zu den jetzt verkauften Einrichtungen gehören der Psychiatrieverbund und eine Reihe von Seniorenheimen. Um ihren Betrieb zu gewährleisten, mietet der DRK-Landesverband die Immobilien von den Erwerbern wieder an, wie Hauptmann bestätigte.

Bei der Gewerkschaft Verdi sieht man die Sache skeptisch. Welche Auswirkungen der Verkauf auf die Arbeitsplätze der Beschäftigten haben werde, sei noch nicht abzusehen. Mit der Erzielung eines hohen Kaufpreises habe sich der DRK-Landesverband nicht unbedingt einen Gefallen getan. Denn der Investor sei sicherlich an Gewinnmaximierung interessiert und wolle sein Geld wieder hereinholen. Ein höherer Kaufpreis könnte drastisch höhere Mieten nach sich ziehen, vermutet ein Insider. Es gab sogar Gerüchte, dass Lone Star die Mieten auf das Fünffache erhöhen will. Die Kostendeckelung im Gesundheitswesen mache es dem DRK aber unmöglich, erheblich höhere Mieten zu zahlen.

Auf der anderen Seite hätte auch ein niedrigerer Kaufpreis der Sache nicht gedient – schließlich ist das Geld dazu gedacht, dem Landesverband aus den Miesen zu helfen: Wegen seiner Schulden bei 828 Gläubigern – geschätzte Gesamthöhe knapp 150 Millionen Euro – war der Landesverband schließlich in die Pleite gerutscht. Fatina Keilani

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