US-Forscher : So heiß war es noch nie

Behörden messen für das erste Halbjahr 2010 einen markanten Temperaturanstieg auf der ganzen Welt.

Berlin - Noch nie gab es weltweit ein so heißes erstes Halbjahr wie 2010. Das geht aus den neuesten Daten der Klimaforscher des US-Wetterdienstes NOAA und der US-Raumfahrtbehörde Nasa hervor. Zwischen Januar und Juni wurden die höchsten Temperaturen zwischen den Polen seit Beginn der Messungen vor 131 Jahren registriert.

Demnach lag die weltweite Durchschnittstemperatur bei 14,2 Grad. Das sind 0,7 Grad mehr als der langjährige Durchschnitt. Der bisherige Rekord lag 2005 bei 0,6 Grad über dem Mittel. Auch die einzelnen Monate brachten immer neue Rekorde: Im Jahr 2010 registrierten die Forscher nicht nur den wärmsten Juni, der jemals auf dem Globus gemessen wurde. Auch die Monate März, April und Mai warteten mit solchen Rekorden auf. Die Eisdecke am Nordpol hatte im Juni die geringste Ausdehnung, die jemals gemessen wurde, teilte NOAA mit.

Klimaforscher Gregor Leckebusch von der Freien Universität Berlin stellte am Freitag einen Zusammenhang zwischen den neuen Daten und der globalen Klimaerwärmung her. „Je mehr Treibhausgase in der Luft sind, umso günstiger sind die Bedingungen für neue Rekorde“, sagte Leckebusch. Die Menschheit habe in den vergangenen Jahren erheblich mehr Klimagase in die Atmosphäre geschickt, als der Weltklimarat IPCC noch zu Anfang des Jahrtausends vermutet habe. Entsprechend lägen die Temperaturwerte für das erste Halbjahr 2010 höher, als es die Klimamodelle des IPCC vor wenigen Jahren vermuten ließen, sagte Leckebusch.

Die Temperaturrekorde gewinnen nach Ansicht der Nasa auch vor einem anderen Hintergrund an Bedeutung. Im ersten Halbjahr 2010 kam relativ wenig Sonnenstrahlung auf der Erde an. Demnach hätte die Temperatur niedriger liegen müssen. Da aber gleichzeitig Maximaltemperaturen gemessen wurden, müsse ein anderer Faktor wie der Treibhauseffekt ausschlaggebend sein.

Die Nasa-Klimaforscher weisen darauf hin, dass die gemessenen Rekordtemperaturen nicht gleich über die Erde verteilt waren. So war der Mai 2010 zwar weltweit der wärmste seit Beginn der Aufzeichnungen, in Deutschland aber präsentierte sich der Monat kühl. Der Juni dagegen war weltweit 0,7 Grad Celsius wärmer als der Durchschnittsjuni des 20. Jahrhunderts. In Deutschland dagegen bedeuteten ein Grad höhere Temperaturen im Juni nur den 31. Platz in der Liste der wärmsten Junimonate seit 1901. Dafür befindet sich der Juli auf Rekordkurs.

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