US-Söldner in der Ukraine : Das Gerücht zum Gerücht

Sollte sich das Gerücht bewahrheiten, dass US-Söldner in der Ukraine gegen prorussische Separatisten vorgingen, wäre das der Todesstoß für die Glaubwürdigkeit des Westens. Für den liegt damit ein anderes Gerücht nahe: dass die Russen sich das nur ausgedacht haben.

Stark am Glas: Tagesspiegel-Kolumnist Helmut Schümann.
Stark am Glas: Tagesspiegel-Kolumnist Helmut Schümann.Foto: Tagesspiegel

Gerüchteweise bin auch ich, wiewohl zeitlebens Wessi, von der DDR bezahlt worden. Damals, als wir im Bonner Hofgarten zu 500 000 für den Frieden demonstrierten. Da kursierte schon das Gerücht, dass die Friedensbewegung von der DDR finanziert werde, man hat das als Verleumdung böser Zungen abgetan. Inzwischen kann man sich nicht mehr so sicher sein. Die Zahl 500 000 wurde übrigens von den Veranstaltern ausgegeben, die ihr eigenes Interesse hatten. Ich persönlich habe die Menge nie gezählt. Das Dumme ist, dass man sich bei Gerüchten nie sicher sein kann. Noch dümmer ist, dass zwischen Gerücht und Verschwörungstheorie kaum ein Fußbreit Platz ist. Theoretisch denkbar ist, dass von, sagen wir, zehn Verschwörungstheorien, sagen wir, zwei gar keine Theorien sind, sondern Wahrheit. Also waren die Amis nie auf dem Mond und haben den großen Schritt für die Menschheit in Hollywood gedreht. Und die Amis haben die Flugzeuge selbst gesteuert, die erst das World Trade Center und damit die Weltordnung zum Einsturz brachten. Gerüchteweise ist so etwas zu hören.

Nun hat der Bundesnachrichtendienst mitgeteilt, ihm sei zu Ohren gekommen, dass im Osten der Ukraine etliche Söldner im Auftrag einer amerikanischen Sicherheitsfirma gegen die prorussischen Separatisten vorgingen. Keine lustige Sache das. Bei Gerüchten verhält es sich so, dass sie je nach Haltung zu Tatsachen werden. Traut man den Amis ohnehin alles zu, dann schüren Söldner im Auftrage einer US-Firma den Bürgerkrieg in der Ukraine. Punktum. Hat man die Luftbrücke noch in Erinnerung, vertraut man auf die Amis als den besten Menschen der Welt, die nur Gutes tun. Dazwischen gibt es nichts. Vielleicht zündeln sie ja ein wenig, aber nicht so arg? Das geht nicht. Gerüchte sind doof, man sollte sie gar nicht erst in die Welt setzen.

Im vorliegenden Fall wäre eine amerikanische Beteiligung und Einmischung in der Ukraine, käme sie denn als unumstößliche Tatsache heraus, für den Westen nicht nur ein diplomatisches Fiasko. Es wäre eine Katastrophe und der Verlust jedweder Glaubwürdigkeit. Und weil das so ist, wäre es ein Kantersieg der russischen Propaganda. Haben wir doch immer schon gesagt, würden die Russen dann sagen, wir verteidigen uns nur gegen den Westen. Dann wären sie fein raus. Das Gerücht liegt nahe, die Russen hätten das Gerücht von den Söldnern selbst verbreitet. Möglicherweise lebt Elvis auch noch.

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