US-Vorwahlen : Der Streit um Kennedys Erbe

Sie wollen so sein wie er. Vor dem Super Tuesday wetteifern Barack Obama und Hillary Clinton darum, wer der wahre Erbe John F. Kennedys ist. Wie beeinflusst das die Vorwahlen am Dienstag?

Christoph Marschall[Washington]

Kurz vor dem morgigen Super Tuesday, an dem 22 US-Staaten über die Wunschkandidaten für die Präsidentenwahl abstimmen, hat Hillary Clinton einen neuen Namen in ihren Wahlkampf eingebaut: Kennedy. Mit Robert F. Kennedy junior, dem Sohn des 1968 ermordeten Präsidentschaftskandidaten gleichen Namens, wirbt sie in Fernsehwerbespots landesweit. Der unterstütze sie, betont sie. In ihren Reden taucht jetzt auch immer wieder der Name John F. Kennedys auf, des 1963 ermordeten älteren Bruders von Robert senior. JFK wurde 1960 mit 43 Jahren jüngster Präsident der USA.

Hillary Clintons neue Liebe zu den Kennedys hat vor allem ein Ziel: ihrem Kontrahenten Barack Obama ein Thema zu klauen. Der gilt als „der schwarze Kennedy“. Mit 46 Jahren verkörpert er den Generationswechsel wie einst JFK. Wie der verspricht er einen neuen Stil, Versöhnung und den Aufbruch in eine neue Ära. Kürzlich hatten sich Caroline Kennedy, JFKs Tochter, und Ted Kennedy, sein jüngster Bruder und Senator von Massachusetts, hinter Obama gestellt. Er sei „der Kennedy unserer Generation“.

Für Hillary und Bill Clinton war das potenziell gefährlich. Sie reagierten, wie sie das stets getan haben, wenn ein Wahlkampfslogan der Konkurrenz zu erfolgreich war – kopieren, übernehmen, plagiieren. Anfangs hatte Hillary vor allem auf ihre Erfahrung gesetzt: acht Jahre im Weißen Haus als First Lady an Bills Seite und weitere acht Jahre als Senatorin von New York. Obama ist erst vier Jahre auf der nationalen Bühne, als dunkelhäutiger Senator von Illinois. Als die Umfragen aber zeigten, dass Obamas Botschaft „change“ erfolgreicher war als Clintons „experience“, wurde auch Hillary zur Kandidatin für „change“.

Ähnlich hatte sie sich gegen John Edwards gewehrt, den inzwischen ausgeschiedenen dritten Demokraten im Rennen um die Nominierung. Edwards hatte als Erster ein detailliertes Programm für eine allgemeine Krankenversicherung vorgelegt. Kurz darauf präsentierte Hillary auch eines, die Unterschiede muss man mit der Lupe suchen. Edwards sprach von den „zwei Amerikas“: dem der Reichen und der großen Konzerne, für das die Clintons stehen, und dem Amerika der Arbeiter, der Armen und der Mittelklasse, die im Schatten des Medieninteresses stehen. Bald behauptete auch Clinton, sie vertrete die „Invisibles“, die einfachen Bürger außerhalb des Rampenlichts. In der Politik gibt es kein Copyright. Raubkopieren wird nicht bestraft, fällt vielleicht nicht mal auf.

Clinton geht mit leichten Vorteilen in den Super Tuesday. Sie und Obama „liegen gleichauf“, titelt die „Washington Post“, ihr gemessener Vorsprung von 47 zu 43 Prozent bewege sich innerhalb der Fehlerquote. Bei Gallup sind es 48 zu 41 Prozent, aber da Obama seinen Rückstand in der letzten Woche um acht Prozentpunkte verringert hat, wird auch hier ein Rennen Kopf an Kopf prognostiziert.

Clinton liegt im Staat New York vorn, den sie seit 2000 im US-Senat vertritt, und im angrenzenden New Jersey auf der Südseite des Hudson River. Obama hat sie überraschend in Kalifornien überflügelt, dem gewichtigsten Staat. Kalifornien hat einen hohen Anteil von Hispanics. Im benachbarten Nevada hatten die Hispanics zu zwei Dritteln für Clinton, die weiße Oberschichtenfrau, gestimmt, obwohl Obama als Vertreter der Minderheiten gilt. Unter Hispanics gibt es starke Rassenvorbehalte gegen Schwarze.

Staaten mit hohem Schwarzenanteil wie Georgia kann Obama für sich verbuchen. Clinton schneidet unter weißen Arbeitern besser ab und in Familien mit einem Jahreseinkommen unter 50 000 Dollar. Unter höher Gebildeten und Besserverdienenden liegt Obama im Verhältnis zwei zu eins vorn. Frauen, die den Demokraten zuneigen, stimmen eher für sie als für ihn. Männer ziehen ihn vor. Unter demokratischen Parteianhängern führt Clinton, unabhängige Wähler und moderate Republikaner unterstützen Obama.

Wie sich das im Gesamtbild auswirkt, ist unsicher. Einen „Super Tuesday“ mit 22 Staaten haben die USA noch nie erlebt. Da kein Kandidat in so vielen Staaten gleichzeitig auftreten kann, wird der Wahlkampf zum Großteil über TV-Werbung geführt. Clinton und Obama haben in den letzten Tagen jeweils um die zehn Millionen Dollar dafür ausgegeben.

Bei den Republikanern scheint die Lage klarer zu sein. Der moderat konservative Senator von Arizona, John McCain, führt laut Umfragen mit 48 Prozent. Zweiter ist mit 24 Prozent Mitt Romney, der Ex-Gouverneur von Massachusetts, der vor allem die Bauchthemen der Rechten anspricht wie ein generelles Abtreibungsverbot und scharfes Vorgehen gegen illegale Einwanderer. Baptistenpfarrer Mike Huckabee (16 Prozent) und der libertäre Texaner Ron Paul, (7 Prozent) sind abgeschlagen.

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben