Zeitung Heute : USA melden Erfolge gegen Gaddafi

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Explodierende Fahrzeuge der Gaddafi-Truppen nach einem Luftangriff der westlichen Alliierten nahe Bengasi. Foto: Goran Tomasevic/Reuters
Explodierende Fahrzeuge der Gaddafi-Truppen nach einem Luftangriff der westlichen Alliierten nahe Bengasi. Foto: Goran...Foto: REUTERS

Berlin/Tripolis/Washington - Die erste Angriffswelle auf Libyen zur Durchsetzung einer Flugverbotszone war nach Angaben des US-Generalstabschef Mike Mullen erfolgreich. Es sei gelungen, den größten Teil der libyschen Flugabwehr auszuschalten. Auch viele Start- und Landebahnen seien zerstört worden, sagte Mullen dem TV-Sender CNN am Sonntag. Es gebe keine Anzeichen dafür, dass sich noch libysche Flugzeuge in der Luft befänden. Damit sei die Flugverbotszone faktisch durchgesetzt. Auf Grundlage einer UN-Resolution bombardierten die Streitkräfte Frankreichs, Großbritanniens und der USA am Wochenende Dutzende Ziele in dem nordafrikanischen Land. Während Machthaber Muammar al Gaddafi am Sonntag noch mit einem „langen Krieg“ drohte, kündigte die libysche Armee am Abend erneut einen Waffenstillstand an. Tagsüber waren die Angriffe auf Misrata weitergegangen.

Berichte über zivile Opfer lägen ihm bisher nicht vor, sagte Mullen dem Sender NBC. Ziel der multinationalen Operation sei, dass Gaddafis Truppen in ihre Kasernen zurückkehrten – nicht der Sturz des libyschen Machthabers. Dann könne der notleidenden Zivilgesellschaft geholfen werden. Libysche Behörden sprachen von 64 Toten nach den Luftangriffen. Eine unabhängige Überprüfung der Angaben ist nicht möglich. Parlamentspräsident Mohammed Swei verurteilte die Angriffe als „barbarische Aggression“. Sie seien erfolgt, obwohl die libysche Regierung einen Waffenstillstand ausgerufen habe. Gaddafi drohte mit Vergeltungsangriffen und einem „Schlachtfeld im Mittelmeer“.

Außenminister Guido Westerwelle forderte Gaddafi auf, den Waffenstillstand einzuhalten. „Oberst Gaddafi muss abtreten“, sagte der FDP-Chef und verlangte eine Ausweitung der Sanktionen. Westerwelle verteidigte erneut die Entscheidung, keine Soldaten nach Libyen zu schicken. Es gebe in der internationalen Gemeinschaft durchaus Staaten wie Polen, die dafür Verständnis hätten.

Die Nato stritt indes weiter über eine Beteiligung an dem Militäreinsatz. Am Sonntag kamen die ständigen Nato-Botschafter erneut in Brüssel zusammen. Dabei ging es um ein Mandat für den Einsatz des Bündnisses, allerdings hätten mehrere Länder Bedenken, berichteten Diplomaten. Die Gespräche dauerten bei Redaktionsschluss dieser Ausgabe noch an.

Das Rote Kreuz warnte vor einem Blutbad in Libyen. Die Eskalation der Kämpfe bedrohe vor allem die Zivilbevölkerung. Die Truppen Gaddafis, die Rebellen und die westlichen Mächte müssten Zivilisten unbedingt verschonen, forderte Carla Haddad Mardini, Sprecherin des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz. Die Organisation befürchtet, dass Kämpfe in dicht besiedelten Städten wie Bengasi die Zahl ziviler Opfer stark erhöhen könnten.

Vor Beginn der westlichen Intervention waren mehr als 300 000 Menschen aus Libyen geflohen. UN-Diplomaten betonten am Sonntag, angesichts der eskalierenden Gewalt werde die Zahl der Flüchtlinge wahrscheinlich stark steigen.

Der Chef der Arabischen Liga, Amr Mussa, kritisierte die internationalen Streitkräfte. Die Luftangriffe dienten nicht dem vereinbarten Ziel, eine Flugverbotszone durchzusetzen, sagte er. „Wir wollen Schutz für die Zivilbevölkerung und keinen Beschuss weiterer Zivilisten.“ Auch Russland und China kritisierten die Bombardierung. mit AFP/rtr

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