Zeitung Heute : USA – Tschechien 0 : 3

WM-Stadion Gelsenkirchen, 12. Juni 2006, 52 000 Zuschauer

Thorsten Schaar

Der Verkleidungsgrad bei dieser WM erreicht langsam karnevalistische Dimensionen. Bislang wurden gesichtet: ein Paul Breitner von 1974 in Frankfurt, die argentinischen 78er-Weltmeister in Hamburg und japanische Comic- Superhelden in der Pfalz. Auf Schalke tagte nun sogar ein internationaler Kongress für Elvis-Imitatoren. Natürlich muss das alles fürs Familienalbum festgehalten werden. Dieser Umstand führt unweigerlich zu der Frage, ob ein Stadionbesuch noch Spaß machen kann, wenn man alle zwei Sekunden gebeten wird, sich mit irgendwem fotografieren zu lassen.

Der meistverbreitete Spruch auf den Plakaten der US-Fans lautete: „Let’s roll!“ Genutzt hat es nichts – zur Halbzeit stand es bereits 0:2 (und damit für Dortmund auf Schalke. Tore: Koller! Rosicky!). Trotzdem schaute man 15 Minuten lang nur in entsetzte tschechische Gesichter. Der Grund: Jan Koller, der Peter Crouch von Böhmen und Mähren, war kurz zuvor auf einer Bahre vom Platz getragen worden. Der Stimmungspegel auf Schalke stieg erst zum Ende wieder an. Und wären die Stadionsprecher keine Fifa-Sklaven, hätten sie wohl nach dem dritten und letzten Treffer gegen die US-Boys verkündet: „Elvis has left the World Cup“.

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben