Zeitung Heute : USA und EU machen Front gegen Mubarak

Lars Halter[New York]
Im Gebet vereint. Ein gläubiger Muslim betet fünf Mal am Tag – auch in Revolutionszeiten. Hunderttausende Demonstranten strömten am Freitag auf den Tahrir-Platz in Kairo, um ihren Präsidenten Hosni Mubarak zum Rücktritt zu bewegen. Die meisten harrten den ganzen Tag aus, viele hatten bereits die Nacht dort verbracht.
Im Gebet vereint. Ein gläubiger Muslim betet fünf Mal am Tag – auch in Revolutionszeiten. Hunderttausende Demonstranten strömten...Foto: AFP

Hunderttausende Ägypter haben am Freitag mit Massenprotesten in Kairo, Alexandria und anderen Städten versucht, das Regime Mubarak endgültig zu Fall zu bringen. Nach den Freitagsgebeten strömten die Menschen in Massen aus den Moscheen zum Tahrir-Platz im Zentrum Kairos. Am Freitag endete das Rücktritts-Ultimatum der Opposition an Staatspräsident Hosni Mubarak – die Demonstranten sprachen daher vom „Tag des Abgangs“. Die USA dringen inzwischen mit aller Macht auf ein Aus Mubaraks. Auch die Vereinten Nationen, die EU und die Sicherheitskonferenz in München riefen die Führung in Kairo am Tag elf der Proteste zum Handeln auf. Angesichts der Unruhen setzte die Bundesregierung ihre Rüstungsexporte nach Ägypten aus.

Nach zwei Tagen mit blutigen Kämpfen am Tahrir-Platz blieb der Protest am Freitag zunächst weitgehend friedlich, auch wenn es am Rande zu kleineren Zusammenstößen kam. Ein Augenzeuge sagte der Nachrichtenagentur dpa, Schlägertrupps versuchten, den Regimegegnern den Weg abzuschneiden. Mubarak- Anhänger hätten Demonstranten mit Steinen beworfen, berichtete ein Reporter des arabischen Senders Al Arabija. Vereinzelte Zusammenstöße wurden auch aus Alexandria und Port Said gemeldet. Seit Beginn der Unruhen seien rund 5000 Verletzte gezählt worden, berichtete Al Arabija unter Berufung auf das ägyptische Gesundheitsministerium.

US-Präsident Barack Obama hat den ägyptischen Herrscher Hosni Mubarak aufgefordert, sich nicht dem Willen der Bevölkerung zu verweigern. Er habe bislang zweimal mit Mubarak gesprochen, sagte Obama am Freitag in Washington. Dabei habe er ihm nahegelegt, „darauf zu hören, was das ägyptische Volk vorbringt.“ Der Präsident müsse sich vor allem fragen, wie er den politischen Übergang „effektiv, dauerhaft und legitim“ gestalten wolle. In der US-Regierung hieß es, es würden mehrere Varianten für einen Machtwechsel mit den Ägyptern diskutiert. Die Interimslösung solle die Unterstützung des Militärs haben, auch die Muslimbruderschaft soll beteiligt werden. Die oppositionellen Muslimbrüder waren bei den Protesten am Freitag deutlich stärker vertreten als sonst. Mubarak lehnt einen sofortigen Rücktritt bisher ab.

Die EU-Staats- und Regierungschefs forderten bei ihrem Gipfeltreffen in Brüssel einen sofortigen Übergang in Ägypten, der „jetzt“ beginnen müsse. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon äußerte sich ähnlich. „Der Übergang zu freien und fairen Wahlen muss sofort beginnen“, verlangte Ban bei einer Rede in der Berliner Humboldt-Universität. Die Ereignisse in Ägypten hätten „eine tief beunruhigende Wendung“ genommen. Scharf kritisierte er die Beschränkungen der Berichterstattung ausländischer Medien. So wurde das Büro des arabischen Fernsehsenders Al Dschasira angegriffen. Unbekannte seien in das Büro eingedrungen und hätten die Ausrüstung zerstört, erklärte der Sender.

Wegen der jüngsten Angriffe auf Demonstranten und Journalisten wurde der ägyptische Botschafter in Deutschland, Ramzy Ezzeldin Ramzy, einbestellt. „Übergriffe auf deutsche Staatsangehörige und ausländische Journalisten sind inakzeptabel“, sagte ein Sprecher des Auswärtigen Amtes in Berlin. Gleichzeitig wehrte sich das Amt gegen Vorwürfe, wonach die Deutsche Botschaft in Kairo sich nicht ausreichend um ausreisewillige Bundesbürger gekümmert hat. „Botschaft und Krisenstab arbeiten seit Beginn der Krise in Ägypten rund um die Uhr, um deutsche Staatsangehörige zu unterstützen und bei der Ausreise zu helfen“, teilte das Außenministerium mit. So stünden seit Montag zehn Botschaftsmitarbeiter am Flughafen in Kairo bereit. Auch organisiere die Botschaft täglich Konvois, um ausreisewillige Deutsche zum Flughafen zu bringen. Auch auf dem Botschaftsgelände habe man Deutsche aufgenommen.mit deh, dpa, dapd

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