Zeitung Heute : Vaneo - der Stern aus Brandenburg

Ingo Dahlern

Seinen ersten Auftritt vor großem Publikum hatte er bereits im September auf der IAA in Frankfurt am Main. Und bis er etwa von Mitte Februar 2002 an in Kundenhand über unsere Straßen rollt, vergehen noch knapp drei Monate. Doch bestellen kann man den neuen kompakten Minivan mit dem Stern, der auf den Namen Vaneo hört, bereits jetzt. Und jetzt schon hatten wir auch Gelegenheit, mit dem neuesten Mercedes, der seit kurzem südlich der Berliner Stadtgrenze in Ludwigsfelde vom Band rollt, die ersten Probekilometer zurückzulegen.

Mit diesem Auto füllt Mercedes-Benz eine der letzten Lücken im inzwischen so gut wie kompletten Angebot der Marke mit dem Stern. Denn der Vaneo ist ein ausgesprochen praktischer und variabler Minivan, der die Qualitäten einer Familien-Limousine, eines Freizeitfahrzeugs und eines Großraum-Kombis in einem Fahrzeug vereinigt. Dank einer Länge von 4,20 Meter bietet er je nach Konfiguration des Interieurs zwischen 715 und 3000 Liter Stauraum - Raum, der sich dank einer Zuladung von 545 bis 555 Kilo auch vernünftig nutzen lässt.

Für die Passagiere bietet der Vaneo bis zu sieben Plätze. Davon allerdings sind nur fünf vollwertige Plätze, denn die beiden hinteren Plätze sind lediglich für Kinder gedacht und deshalb auch nur für ein Maximalgewicht von 36 Kilo zugelassen. Für kleinere Kinder gibt es spezielle Sitzkissen, damit auch bei ihnen der Sicherheitsgurt optimal anliegt. Und wer die Sitze nicht braucht, kann sie entweder zusammenklappen oder mit wenigen Handgriffen ohne Werkzeug ausbauen.

Ausbauen kann man bei Bedarf auch alle übrigen Sitze - bis hin zum Beifahrersitz. Dann erhält man einen Laderaum, der 2,97 Meter lang ist. Dann passen nicht nur Skier und Surfboards, sondern auch noch erheblich längere Dinge bequem in dieses Auto. Zugang zum Laderaum schaffen gut 75 Zentimeter breite Schiebetüren an beiden Seiten des Vaneo und am Heck hat man die Wahl zwischen einer asymmetrisch geteilten Doppelflügel-Hecktür, deren Flügel um bis zu 170 Grad zur Seite geschwenkt werden können, sowie einer klassischen oben angeschlagenen Heckklappe. Zu den besonders praktischen Details zählt zudem ein ausziehbarer Laderaumboden.

Es ist bequem im Vaneo. Denn schließlich hat dieses Auto einen Radstand von 2,90 Meter. 1,74 Meter breit und 1,83 Meter hoch bietet es nicht nur großzügigen Knie- und Ellenbogenraum, sondern vor allem auch eine enorme Kopffreiheit. Und die weit nach unten gezogenen Scheiben erlauben aus der etwas erhöhten Sitzposition eine hervorragende Sicht rundum. Die Sitze fallen voluminöser aus als beim Mercedes der A-Klasse. Von dem hat der Vaneo viel des technischen Grundkonzepts übernommen. Das gilt zum Beispiel für den für die Sicherheit des Fahrzeugs so wichtigen Sandwichboden und auch die Motoranordnung. Denn bei einem Crash rutscht der Motor nach unten, so dass der Fußraum erhalten bleibt.

Weitgehend der Konstruktion der A-Klasse entspricht auch die angetriebene Federbein-Vorderachse des Vaneo, der sich bei ersten Probekilometern als ein trotz seiner Länge ausgesprochen handliches Fahrzeug erwies, mit dem auch Rangiermanöver auf engem Raum keine Probleme bereiten. Und bei zügiger Fahrt auf kurvigen Strecken zeigte der relativ hohe Vaneo eine nur geringe Tendenz, sich zur Seite zu neigen und folgte willig dem Einschlag der Lenkung. Nicht ganz überzeugen konnte allerdings die Abstimmung der Hinterachse. Diese Längslenkerkonstruktion mit progressiven Schraubenfedern hat man, wie Mercedes-Benz-Entwickler erklärten, der enormen Zuladung des Vaneo angepasst - das allerdings, bringt, wie sich auf schlechten Straßenabschnitten deutlich zeigte, doch erhebliche Komforteinschränkungen.

Gebremst wird beim Vaneo mit Scheibenbremsen rundum und unterstützt durch ein modernes ABS. Und bei Gefahrenbremsungen tritt automatisch der Bremsassistent in Aktion, der für optimale Bremskraft sorgt. Zudem haben alle Versionen die Fahrdynamikregelung ESP. Die sorgt in kritischen Fahrsituationen, in denen das Fahrzeug auszubrechen droht, durch individuelles Bremsen einzelner Räder dafür, dass der Wagen wieder auf Kurs gebracht wird.

Fünf-Vierzylinder-Motoren stehen für den Vaneo zur Wahl - drei Benziner und zwei Diesel, die sich alle bereits in der A-Klasse bewährt haben. Basismotorisierung ist der 1,6-Liter mit 60 kW (82 PS), der dem Vaneo mit 15,8 Sekunden für den Spurt auf Tempo 100 und maximal 155 km/h zu akzeptablen Fahrleistungen verhilft. Mit 13,5 Sekunden für den Spurt auf Tempo 100 und maximal 167 km/h ist der Vaneo 1.6 mit 75 kW (102 PS) um einiges flotter. Und schon ein wenig sportlich bewegen lässt sich dieses vielseitige Auto mit dem 1,9-Liter mit 92 kW (125 PS), die für 180 km/h gut sind und für den Spurt auf Tempo 100 binnen 11,1 Sekunden.

Zwischen 7,8 und 8,1 l/100 km konsumieren die Benziner, die ausnahmslos die Abgasnorm EU4 erfüllen. Sehr viel sparsamer mit 5,7 und 5,9 l/100 km sind da allerdings die beiden Turbodiesel mit Common-Rail-Hochdruckeinspritzung. Die beiden 1,7-Liter leisten 55 und 66 kW (75 und 90 PS), lassen den Vaneo binnen 19,5 und 16,0 Sekunden Tempo 100 und maximal 150 und 160 km/h erreichen. Ansprechend flotte Diesel also, die dank ihres hohen Drehmoments auch erfreulich elastisch sind und in Verbindung mit dem 54-Liter-Tank Reichweiten bis zu 940 Kilometer mit nur einer einzigen Tankfüllung erlauben.

Ganz nach Wunsch kann man den Vaneo in drei Ausstattungslinien bekommen - betont praktisch als Basis-Ausstattung Trend, mit farbenfrohem Design als Family mit auf Kinder ausgerichteter Ausstattung und als edlen Ambiente mit Lederlenkrad und Wurzelholzdekor. Besonders interessant sind zudem die speziellen Zubehörkombinationen Snow, Surf, Bike, Dog und Carry, wobei letztere bereits ab Trend, die übrigen vier ab Family verfügbar sind. Mit diesen Paketen lässt sich der Vaneo überzeugend an die speziellen Bedürfnisse von Wintersportlern, Surfern, Radfahrern und Hundebesitzern anpassen. Und mit der speziellen Laderaumauskleidung Carry wird aus dem Vaneo sogar ein praktischer Kleintransporter. Insgesamt ein durchaus überzeugendes Fahrzeug, das allerdings auch seinen Preis hat. Denn der einfachste Vaneo kostet 19 348 Euro (37 443 DM).

Daten auf einen Blick

Karosserie: Fünftüriger Minivan mit bis zu sieben Sitzen.

Maße/Gewichte: 4,19 m lang, 1,74 m breit, 1,83 m hoch, Radstand 2,90 m, Leergewicht 1365-1425 kg, Zuladung 545-555 kg, Laderaum 715-3000 l, Tankinhalt 54 l.

Antrieb: Vierzylinder-Benziner mit 1,6 Liter und 60 und 75 kW (82 und 102 PS) und 1,9 Liter und 92 kW (125 PS), 1,7-l-Vierzylinder-Turbodiesel mit Common-Rail-Hochdruckeinspritzung und 55 und 67 kW

(75 und 91 PS), Fünfgang-Getriebe, optional mit automatischer Kupplung, optional Fünfgang-Automatik mit sequenzieller manueller Schaltung, Frontantrieb.

Fahrwerk: Einzelradaufhängung vorn mit Federbeinen, hinten Längslenkerachse mit Schraubenfedern, Zahnstangenlenkung mit Servounterstützung, vier Scheibenbremsen, ABS mit Bremsassistent und Fahrdynamikregelung ESP.

Fahrleistungen: 11,1-19,5 s von Null auf Tempo 100, 150-180 km/h.

Verbrauch: Durchschnittlich 5,7-8,1/100 km.

Preise (einschließlich MWSt): Vaneo 19349 Euro (37843 DM), Vaneo 1.6 20416 Euro (39930 DM), Vaneo CDI 20451 Euro (39998 DM), Vaneo CDI 1.7 21460 Euro (41972 DM), Vaneo 1.9 22063 Euro

(43152 DM)

Moderne Fertigung in Ludwigsfelde

In der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts, da wurden auch in jenem Gebiet, das heute das Bundesland Brandenburg ist, Autos gebaut - ja der legendäre Brennabor trug sogar den wendischen Namen Brandenburgs. Aber in den letzten fünf Jahrzehnten tat sich dort nicht mehr viel, rollten allenfalls Lastwagen aus den IFA-Fertigungshallen. Doch mit der Wende bahnte sich auch in Brandenburg eine Wende an. Denn Ludwigsfelde wurde zu einem zusehends wichtigeren Produktionswerk im Mercedes-Benz-Verbund. 1991 liefen dort die ersten Nutzfahrzeuge mit dem Stern vom Band. Anfangs Leichtlaster des Typs LN2, dann auch Transporter des Typs T2.

Von 1993 an entwickelte das Team in Ludwigsfelde den Nachfolger des T2, der den Namen Vario bekam und in Ludwigsfelde seit 1996 produziert wird. Und rechnet man alle dort gebauten Mercedes-Benz-Fahrzeuge zusammen, dann kommt man bis heute auf rund 110000 Mercedes-Benz Lkw für das Werk südlich Berlins, das inzwischen auch die Produktverantwortung für das Marktsegment der Transporter von von 4,5 bis 7,5 Tonnen übernommen hat.

Doch nun kommt ein ganz neues Element hinzu. Denn seit Oktober läuft in Ludwigsfelde der neue Vaneo vom Band. Dem Namen nach ein Nutzfahrzeug - tatsächlich aber ein Auto, in dem typische Elemente eines Transporters mit Elementen eines Personenwagens kombiniert sind, ein Alleskönner, der die Eigenschaften einer Familien-Limousine, eines Freizeitautos und eines Großraum-Kombis vereint. Mit der Produktion dieses Autos steigt Ludwigsfelde zu einer neuen Größe auf, denn pro Jahr sollen vom Vaneo bis zu 50000 Einheiten gebaut werden. Um solche Zahlen zu realisieren, musste Ludwigsfelde gründlich modernisiert und erweitert werden.

So entstand eine rund 20000 Quadratmeter große Halle für den Rohbau des Vaneo. Hier arbeiten 130 hochmoderne ABB-Roboter in zwei Hauptlinien und fügen die vom Systemlieferanten Thyssen zugelieferten Bleche zu der typischen Sicherheitskarosserie mit Sandwichboden zusammen. Nach aufwändigen Prüfverfahren für die weitere Produktion freigegeben, gelangen die in eine komplett neu gestaltete Lackieranlage. Hier werden die Karosserien nach der kataphoretischen Tauchlackierung von elf Robotern mit dem Decklack versehen - unter überwiegendem Einsatz lösungsmittefreier Farben.

Aus der Rohkarosserie und bis zu 2000 weiteren Teilen enstehen dann in der Endmontage die ganz nach Kundenwusch maßgeschneiderten Kompakt-Vans. Erster Schrtitt ist der Innenausbau, dann wird das komplette Cockpit montiert und die Scheiben vollautomaisch eingesetzt und verklebt. Dann kommen die Fahrzeuge auf eine Hängebahn, erhalten Vorder- und Hinterachse und werden vollendet.

Ein hochmodernes und extrem flexibles Fertigungsverfahren, mit dem Ludwigsfelde zu einem der modernsten DaimlerChrysler-Werke geworden ist und an die alten Automobilbau-Traditionen Brandenburgs anknüpft. Nicht nur als Produktionswerk übrigens, denn Ludwigsfelde war auch für die Entwicklung dieses Autos verantwortlich, das in enger Kooperation mit Karmann serienreif gemacht wurde.

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben