Zeitung Heute : Vater der Ökumene

Originalschriften von Adolf Deißmann entdeckt

Ralf Golling

Die kirchliche Ökumene und die Friedensbewegung standen bereits 1915 im Mittelpunkt mehrerer Schriften des bedeutenden protestantischen Theologieprofessors Adolf Deißmann. Diese Texte wurden vor kurzem in der Universitätsbibliothek der Humboldt-Universität wieder gefunden. In den 1915 erschienenen Evangelischen Wochenbriefen wird deutlich, wie Deißmann bereits im Ersten Weltkrieg Gedanken einer weltumspannenden kirchlichen Bewegung gegen den Krieg entwickelte. In seinen an amerikanische Kollegen adressierten Briefen plädierte er für eine internationale christliche Gemeinschaft – eine Meinung, die in der Kriegszeit unter Kirchenführern alles andere als selbstverständlich war.

In den Zwanzigerjahren intensivierte Deißmann sein Bemühen um die Ökumene. Er war maßgeblich an den Weltkirchenkonferenzen in den Jahren 1925 und 1927 beteiligt und gilt als Vater des ökumenischen Gedankens in Deutschland. Wie aktuell seine Gedanken heute noch sind, zeigte der erste gemeinsame Kirchentag von Protestanten und Katholiken letztes Jahr in Berlin. Deißmann engagierte sich auch in der Friedensbewegung der Zwanzigerjahre. In der NS-Zeit half er jüdischen Bürgern, Deutschland verlassen zu können.

Die Schriften Deißmanns galten bisher als verschollen. Mitarbeiter der Universitätsbibliothek fanden sie zufällig, als sie alte Archive aufräumten. Das unterstreicht die wichtige Bedeutung der alten Bestände, die die Bibliothek besitzt.

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