Zeitung Heute : Vater sein dagegen sehr

Für Abstammungstests sollen neue Regeln gelten. Wie können zweifelnde Männer Gewissheit bekommen?

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Welche Möglichkeit haben Väter künftig, eine Vaterschaft überprüfen zu lassen?

Heimlich den gut durchgewalkten Kaugummi des Kindes aus dem Mülleimer fischen – und dann ab damit ins Labor. Diesen für alle Beteiligten unwürdigen Weg muss bald kein Mann mehr wählen. Die jetzt von Bundesjustizministerin Brigitte Zypries (SPD) angekündigte Neuregelung soll einen Anspruch auf Vaterschaftstests festschreiben. Künftig könnte ein Vater im Zweifelsfall einen Test einfach beantragen. Noch ist dabei aber offen, welches Verfahren gilt, wenn der Anspruch gegen den Willen der Mutter des Kindes durchgesetzt werden muss.

Bisher ist es offiziell nur möglich, einen Test über eine komplette Anfechtung der Vaterschaft vor Gericht zu erstreiten. „In Zukunft wird es wohl auch die Möglichkeit einer Feststellungsklage geben, bei der zwar ermittelt wird, ob der Kläger der Vater ist, bei der sich aber am Vater-Kind-Verhältnis nichts ändert“, sagt der Berliner Anwalt Max Braeuer. Ob auch die weiter bestehende Möglichkeit einer Anfechtungsklage einfacher wird, ist noch offen. Zurzeit muss ein „begründeter Verdacht“ an der Treue der Mutter bestehen – und was begründet ist, entscheidet das Gericht. Auch gegenüber einem heimlichen Test hat der künftige Anspruch einen Vorteil: Ein offener Test ist als Beweis vor Gericht einsetzbar.

Wie häufig kommt es bisher zu Überprüfungen einer Vaterschaft?

Nach Zahlen aus dem Bundesjustizministerium gab es im Jahr 2004 knapp 23 000 Abstammungsverfahren vor den Gerichten. In 80 Prozent der Fälle stellte sich der Kläger auch als leiblicher Vater heraus. Schätzungen zufolge werden insgesamt aber 40 000 bis 50 000 Vaterschaftstests jährlich durchgeführt. Der Verband der Sachverständigen für Abstammungsgutachten (Valid) geht davon aus, dass zehn Prozent aller Kinder nicht vom vermeintlichen Vater stammen. Dass sich die Erbmuster zweier nicht verwandter Menschen entsprechen, ist übrigens unwahrscheinlich. Die Chance liegt bei eins zu einigen Millionen.

Was passiert, wenn Väter einen heimlichen Vaterschaftstest durchführen lassen?

Ein Test kann dem zweifelnden Mann mit hoher Wahrscheinlichkeit sagen, ob er der leibliche Vater seines Kindes ist. Mehr folgt daraus erst einmal nicht. Trotzdem plädiert Justizministerin Zypries vehement für ein Verbot heimlicher DNA-Tests. Dann wären solche Tests strafbar. Generell sollen diese Fragen in einem eigenen Gendiagnostikgesetz geregelt werden, das das Büro für Technikfolgenabschätzung beim Bundestag schon im Jahr 2000 für „dringend geboten“ hielt. Zuständig ist das Bundesgesundheitsministerium. Und „die haben derzeit anderes zu tun“, wie es bei der Regierung mit Blick auf die Gesundheitsreform heißt.

Welche Gefahr geht insgesamt von DNA-Tests aus und wie will die Bundesregierung künftig Missbrauch verhindern ?

Der Koalitionsvertrag zwischen Union und SPD formuliert das Vorhaben, „genetische Untersuchungen bei Menschen“ gesetzlich zu regeln, „die einen besonderen Schutzstandard erfordern“. Außerdem soll „die Qualität der genetischen Diagnostik gewährleistet werden“. Damit ist der Kern des lange verfolgten und noch immer nicht konkretisierten Gendiagnostikgesetzes, für das Ende 2006 bereits die Grünen einen Gesetzentwurf vorgelegt haben, formuliert.

Nicht nur heimliche Vaterschaftstests (diese sogar vielleicht am wenigsten) gefährden das Recht auf informationelle Selbstbestimmung des Menschen. Allemal schwieriger sind Gentests, die zum Beispiel durch Versicherungen für die Tarifeinstufung von Versicherten angefordert werden könnten. Zwar hat sich die Versicherungsbranche in einem Moratorium bis 2011 eine Selbstbeschränkung auferlegt. Diese ersetzt aber keine gesetzliche Regelung.

Erst jüngst haben Wissenschaftler beispielsweise eine genetische Analyse für die Disposition zu Diabetes 2 in Aussicht gestellt, auch genetische Faktoren für andere Krankheiten sind bereits entschlüsselt. Einer diskriminierenden Anwendung durch Versicherer oder auch Arbeitgeber will der Gesetzgeber ausdrücklich vorbeugen, sollte in absehbarer Zeit tatsächlich ein Gesetz auf den Weg geschickt werden.

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