Zeitung Heute : Verblichener Glanz

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Mit dem neuen Gastronomiekonzept der Deutschen Bahn muss die Mitropa ihr Kerngeschäft „Service im Zug“ einschränken: Seit Jahrzehnten kümmerte sie sich um die Speisewagen. Und die schafft die Bahn jetzt ab. Nun muss das chronisch defizitäre Unternehmen sich vor allem auf seine Dienstleistungen „neben den Gleisen“ konzentrieren – der Gastronomie in Bahnhöfen und auf der Autobahn.

Ins Schlingern geriet die Mitropa erst nach der Wende. Ihre Glanzzeiten hatte die 1916 gegründete „Mitteleuropäische Schlaf- und Speisewagen-Aktiengesellschaft“ in den zwanziger und dreißiger Jahren. 1929 hatte die Mitropa bereits 320 Schlafwagen und 311 Speisewagen, die mit ihrer salonmäßigen Ausstattung Luxushotels glichen. Zu dieser Zeit galt die Mitropa als bestes Unternehmen ihrer Art in Europa.

Nach dem zweiten Weltkrieg fuhr die Mitropa ab 1949 nur noch in der DDR, im Westen wurde die Schwester Deutsche Schlaf- und Speisewagengesellschaft (DSG) gegründet. Das Image der Mitropa änderte sich dann gewaltig: Luxus und kulinarische Genüsse gab es nicht mehr. Getränkeknappheit und Frischfleischknappheit in der DDR zeigten ihre Auswirkungen.

Erst 1994 kamen Mitropa und DSG wieder unter ein Dach. Zwar wurde der Traditions übernommen, an die Erfolge von damals konnte die Mitropa jedoch nicht anknüpfen. Jahrelang brauchte die Bahn-Tochter kräftige Zuschüsse von der Mutter. Jetzt ist sie auf Sanierungskurs – 2001 schrieb sie eine schwarze Null. fw

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