Zeitung Heute : Verdiene und teile

Carsten Brönstrup Jens Mühling

Nach der Allianz-Versicherung hat auch die Deutsche Bank ein Rekordergebnis im ersten Quartal erzielt. Inwieweit zahlt sich der Erfolg deutscher Unternehmen für den Staat aus?


Die Steuerschätzer, die seit gestern in Görlitz tagen, nehmen es mit Wohlwollen zur Kenntnis: Dank der Gewinnrekorde bei den deutschen Unternehmen nimmt der Staat so viele Steuern ein wie lange nicht mehr. Die gut laufenden Geschäfte spülen immer mehr Geld in die Kassen von Stadtkämmerern, Landes- und Bundesfinanzministern. Jüngstes Beispiel: Die Deutsche Bank hat für die ersten drei Monate des Jahres mal wieder ein historisch gutes Ergebnis hingelegt – sie schaffte mehr als zwei Milliarden Euro Gewinn innerhalb von nur drei Monaten. „Etwa ein Viertel davon fällt in Deutschland an – und wird auch hier versteuert“, sagte ein Sprecher. Auch die Allianz strotzt vor Ertragskraft: Der Versicherungskonzern schaffte sogar einen Gewinn von mehr als drei Milliarden Euro in den ersten drei Monaten des Jahres.

Wie hoch die Summen genau sind, die die Unternehmen dem Fiskus überweisen, behalten die Finanzchefs aber in der Regel lieber für sich. Die großen Konzerne weisen nur die gesamte Steuerbelastung und die Steuerquote aus – daraus lässt sich aber kaum auf die tatsächlichen Zahlen schließen. Die Summe, die sie in Deutschland abführen, machen die Konzerne lieber nicht öffentlich. Der Grund: Sie nutzen gerne die zahlreichen Tricks und Verrechnungsmöglichkeiten des deutschen Steuerrechts. „Steueroptimierung“ heißt das im Fachjargon – und bedeutet, dass vor allem internationale Konzerne versuchen, dort ihre Gewinne zu versteuern, wo die Steuerlast am geringsten ist. Eine Untersuchung des Instituts für Wirtschaftsprüfung (IWP) von 2006 ergab, dass es so drei Vierteln der großen Konzerne gelingt, ihre Steuerquote unter den regulären Satz von 38,6 Prozent des Gewinns zu drücken. Im Schnitt versteuerten alle Firmen auf diese Weise nur 28,2 Prozent ihrer Erträge.

Auch bei Berliner Unternehmen wie dem Dussmann-Konzern werden Steuerzahlungen nicht veröffentlicht. „Als AG und Co. KG können wir unsere Gewinne aber nicht im Ausland versteuern“, sagte ein Sprecher. „Wenn wir mehr verdienen, profitiert davon also direkt das Land Berlin.“

Sicher ist: Die Aktiengesellschaften und GmbHs haben 2006 gut 40 Prozent mehr Körperschaftsteuer überwiesen als noch ein Jahr zuvor, insgesamt waren es fast 23 Milliarden Euro. Auch bei der Gewerbesteuer ging es kräftig nach oben. Zwischen Januar und Ende März hat sich dieser Trend fortgesetzt: 5,4 Milliarden Euro hat der Staat bereits eingenommen, 4,8 Prozent mehr als zu Beginn des vergangenen Jahres. Und dabei ist ein großer Teil der Unternehmen nicht einmal berücksichtigt: Neun von zehn Firmen sind als sogenannte Personengesellschaften organisiert, sie gehören also meist zum Mittelstand. Das bedeutet, dass sie Einkommensteuer zahlen, genau wie viele Angestellte und Arbeiter auch. Die exakte Höhe ihrer Steuerzahlungen kennen nicht einmal Finanzexperten.

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