Vereidigung des Präsidenten : Versprecher und Lob für Horst Köhler

Ein Versprecher, eine Rede und der Einzug ins Schloss Bellevue. Wie war Christian Wulffs Vereidigung und welche Schwerpunkte setzte er in seiner Rede?

Er hat sie Nerven gekostet. Gratuliert hat Angela Merkel ihrem Präsidenten Christian Wulff natürlich trotzdem.
Er hat sie Nerven gekostet. Gratuliert hat Angela Merkel ihrem Präsidenten Christian Wulff natürlich trotzdem.Foto: Reuters

Das Grundgesetz schreibt vor, dass der Bundespräsident in einer gemeinsamen Sitzung von Bundestag und Bundesrat vereidigt wird. Zu Beginn hatten Christian Wulff und seine Frau Bettina auf extra bereitgestellten Stühlen vor den Bänken der Parlamentarier Platz genommen, neben ihm der scheidende Bundespräsident Horst Köhler mit seiner Frau Eva Luise. Auf der Ehrentribüne saß nicht nur Alt-Bundespräsident Roman Herzog, sondern auch der am Mittwoch unterlegene Kandidat Joachim Gauck.

Wie lief seine Vereidigung ab?

Bevor Christian Wulff an der Reihe war, richtete sich die Aufmerksamkeit zunächst auf den Bundespräsidenten a. D., Horst Köhler. Bundestagspräsident Norbert Lammert und Bundesratspräsident Jens Böhrnsen dankten Köhler für dessen Verdienste. Er habe sich den Menschen „unverstellt zugewandt“ und das Bild von Afrika in Deutschland verändert, sagte Lammert. Zugleich habe Köhler es der politischen Klasse nicht leicht gemacht. Ihm selbst habe man es gelegentlich ansehen können, wie viel Kraft das Amt des Bundespräsidenten koste. Köhler habe sein Amt „ganz sicher nicht leichten Herzens aufgegeben, sondern weil er unter den gegebenen Umständen keine Möglichkeit mehr sah, es so auszuüben, wie es seinen eigenen Ansprüchen entsprach“. Die Abgeordneten bedankten sich mit stehendem Applaus bei Köhler.

Anschließend schritt Wulff zum Bundestagspräsidenten. Sichtlich bewegt stand der neue Bundespräsident im Plenum des Bundestags neben der deutschen Fahne, ihm gegenüber Norbert Lammert mit dem Grundgesetz in den Händen, aus dem er die Eidesformel vorlesen musste. Wulff verhaspelte sich, sagte „Entschuldigung“ und fing noch einmal von vorne an. Im Anschluss hielt er seine erste Rede als vereidigter Bundespräsident.

Was waren die Schwerpunkte der Rede?

Bildung und Integration waren die zentralen Themen dieser ersten Wulff-Rede als Bundespräsident. Er berichtete von einer Begegnung mit dem Vater der Deutsch- Türkin Aygül Özkan, die er in Niedersachsen zur ersten Landesministerin muslimischen Glaubens gemacht hatte. Auf die Finanzkrise und die Parteienverdrossenheit ging er ein. Und der neue Bundespräsident war in seiner Antrittsrede offensichtlich auch darum bemüht, sich an die Opposition zu richten. An Joachim Gauck gewandt erklärte er, „Ihre Stimme hat viele Menschen erreicht“, und bat ihn, „auch künftig über Ihre Erfahrungen mit der SED-Diktatur und Ihre Liebe zur Freiheit“ zu berichten. Und die Opposition war offenbar mit Wulffs erstem Auftritt zufrieden. Kaum hatte dieser seine Rede beendet, da sah man ihn schon im Plenum entspannt mit dem SPD-Vorsitzenden Sigmar Gabriel und Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier plaudern.

Wie war sein Einzug ins Schloss Bellevue?

Als er nach seiner Vereidigung im Schloss Bellevue ankam, empfingen ihn Horst Köhler, dessen Frau Eva Luise sowie Jens Böhrnsen mit seiner Lebensgefährtin Birgit Rüst. Ein paar gemeinsame Fotos, und dann wies ihm Protokollchef Edmund Kammerer den Weg. Erste Station: militärische Ehren. Das Protokoll sieht vor, dass der neu gewählte Bundespräsident die Formation allein abschreitet. Generalinspekteur Volker Wieker nahm den neuen Präsidenten in Empfang. Beim Abschreiten des roten Teppichs wirkte er anfangs fast etwas unsicher, wenngleich das am Ende wohl nur eine Frage der Übung ist. Es kann auch ein Ausdruck von Bewegung gewesen sein, hatte er doch vorab selbst von Demut gesprochen. Die Ankunft im Schloss ist schließlich auch ein sehr emotionaler Moment, in dem die Anspannung abfällt und die Dimension des neuen Amtes zum ersten Mal wirklich spürbar wird. Auch für Horst Köhler, der schon nicht mehr zum Sommerfest bleiben wollte, zu dem er selber noch eingeladen hatte, muss es ein bewegender Augenblick gewesen sein. Als die Nationalhymne zu Ehren des neuen Präsidenten verklungen war, stellte sich Wulff gemeinsam mit Frau Bettina und Annalena, seiner 16jährigen Tochter, Böhrnsen und Partnerin sowie Horst Köhler und dessen Frau zum Erinnerungsfoto auf. Anschließend schritt er, dezent dirigiert vom Protokollchef, über den roten Teppich zur Schlosstür. Im Schloss folgen normalerweise eine Teestunde mit dem Amtsvorgänger zur Übergabe und eine erste Begegnung mit den Mitarbeitern. Draußen wurden unterdessen die roten Teppiche wieder eingerollt. Sehr viel Zeit für Gespräche blieb diesmal nicht. Schon ab 18 Uhr strömten die ersten Gäste zum Sommerfest.

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