Zeitung Heute : Vereinte Nationen: Syrien foltert Kinder

Bericht über zahlreiche Grausamkeiten der Streitkräfte von Präsident Assad / Schon mehr als 10 000 Tote.

Die Vereinten Nationen (UN) schlagen Alarm: Die Streitkräfte und Milizen des Assad-Regimes führen in Syrien einen besonders grausamen Krieg gegen Kinder. In der am Montag veröffentlichen jährlichen „Liste der Schande“ über das Schicksal von Kindern in Konfliktgebieten berichtet die UN unter anderem über Folter mit glühenden Zigaretten oder Stromschlägen an den Genitalien.

In dem Dorf Ayn l’Arus wurden Augenzeugen zufolge im März mehrere Dutzend Kinder zwischen acht und 13 Jahren mit Gewalt ihren Familien entrissen. Sie seien anschließend von Soldaten und Milizen bei einer Razzia des Dorfes als menschliche Schutzschilde vor die Fenster der Busse gestellt worden, in denen Truppen saßen. Mädchen und Jungen, die nicht einmal neun Jahre alt sind, werden erschossen, verstümmelt, verschleppt, gefoltert und vergewaltigt. Allein der Verdacht genügt, dass Verwandte der Kinder oder sie selbst Kontakte zu der Opposition unterhalten. Aufseiten der Aufständischen gebe es „einige glaubwürdige Vorwürfe“, dass die Freie Syrische Armee (FSA) und andere Gruppen Kinder rekrutierten, hieß es in dem UN-Bericht.

Die UN-Beauftragte für Kinder in bewaffneten Konflikten, Radhika Coomaraswamy sagte, sie habe noch nie einen derartigen Krieg wie in Syrien erlebt, in dem Kinder gezielt als Opfer ausgewählt werden. Der UN-Bericht basiert auf Interviews vom März 2012 mit Opfern und Zeugen in der Region.

Außenminister Guido Westerwelle (FDP) hat von der syrischen Regierung uneingeschränkten humanitären Zugang zu den Opfern der Gewalt verlangt. „Wir stehen an der Seite des syrischen Volkes“, sagte Westerwelle am Dienstag in Berlin beim Treffen mit dem Präsidenten des Syrischen Arabischen Roten Halbmonds Abdul Rahman Attar in Berlin.

Das Außenministerium finanziert drei Lastwagen, den Aufbau und die Ausstattung von drei Lagerhallen in Homs, Idlib und Hama mitsamt Gabelstaplern und Material in Höhe von 650 000 Euro. Das Deutsche Rote Kreuz liefert das Material aus Berlin, Dubai schult das Personal. Attar begrüßte die Unterstützung seiner Organisation, die als einzige in Syrien offiziell Hilfe leisten darf und hauptsächlich auf der Arbeit von Freiwilligen basiert. Korridore zur Lieferung humanitärer Hilfe dagegen hält er für nicht realistisch. „Ich glaube nicht, dass Korridore für humanitäre Hilfe funktionieren können. Zur Sicherung solcher Korridore wäre eine große Militäroperation nötig“, sagt Attar im Gespräch mit dem Tagesspiegel.

Unterdessen dokumentierten die UN- Beobachter am Dienstag erstmals den Einsatz von Kampfhubschraubern. Der Sprecher von UN-Vermittler Kofi Annan, Ahmad Fawzi, verurteilte dies als Bruch der Waffenruhe. Bei dem seit 15 Monaten anhaltenden Aufstand sind nach Schätzungen der Vereinten Nationen mehr als 10 000 Menschen getötet worden.

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