Zeitung Heute : Vergessene Gräber im Nachbarland

Der Tagesspiegel

Frankfurt (Oder)/Slubice. Juden aus aller Welt haben gestern auf dem ehemaligen jüdischen Friedhof von Frankfurt (Oder) des Rabbiners Josef Theomin gedacht. Bei der Zeremonie zum 210. Todestag des Theologen wurde das „Kaddisch“, das traditionelle jüdische Totengebet, gehalten. Neben Gästen aus Israel, USA, Großbritannien, Ungarn, Polen und Deutschland kamen auch Vertreter der polnischen und der amerikanischen Regierung zur Zeremonie auf den Friedhof, der seit 1945 im polnischen Slubice liegt. „Rabbi Theomin ist eine der wichtigsten Autoritäten in der jüdischen Geschichte“, sagte Rabbiner Berel Polatsek vom New Yorker Komitee zur Wiedereinrichtung des Friedhofs. Doch Polatsek geht es um mehr: Vor den zahlreichen Journalisten und Geschichtsinteressierten aus beiden Ländern wirbt er für die Idee einer Wiedereinrichtung des 1399 angelegten Friedhofs. „Ich denke, es handelt sich um den ältesten jüdischen Friedhof in Europa überhaupt“, sagt der Amerikaner.

Der auf dem Friedhof bestattete Theomin hatte im 18. Jahrhundert einen berühmten Kommentar zu den für die koschere (reine) Küche geltenden Speisegesetzen verfasst. Er war 1781 bis 1782 Rabbiner in der Oderstadt und wird noch heute verehrt. Vor dem Zweiten Weltkrieg war sein Grab ein Wallfahrtsort für jüdische Gläubige.

Das Friedhofsgelände gehört zu Frankfurts polnischer Nachbarstadt Slubice, der einstigen Dammvorstadt am anderen Ufer des Grenzflusses Oder. Auf dem im Jahr 1399 gegründeten Friedhof sind neben dem berühmten Gelehrten zwei weitere Rabbiner begraben. Auf dem Areal befindet sich heute ein Parkplatz. dpa

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