Zeitung Heute : Vergesst Beckham!

Edson Arantes do Nascimento, kurz Pelé, gilt vielen als bester Fußballer aller Zeiten. Doch dass auch der Inhalt seines Kleiderschranks interessant sein könnte, ahnte keiner. Eine neue Pelé-Biografie zeigt die modischen Eskapaden eines Genies.

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Edson Arantes do Nascimento war bisher für andere Dinge bekannt als für sein modisches Gespür. Nun wird der im Herbst 1940 in Tres Coracoes im brasilianischen Bundesstaat Mina Gerais geborene Brasilianer im Alter von 65 Jahren nachträglich zur Stil-Ikone gekürt. Derzeit ist Edson Arantes do Nascimento wieder häufig im Fernsehen zu sehen: vordergründig als WM-Kommentator, tatsächlich aber in seiner Haupteigenschaft als Legende. Vielleicht muss man an dieser Stelle erwähnen, dass er seit Jahrzehnten als Pelé firmiert. Etliche Fußballfans nennen ihn der Einfachheit halber auch Gott, denn der Brasilianer gilt vielen als bester Fußballer aller Zeiten. Seine Bilanz: fünfmaliger Meister in Brasilien, mehrmaliger Weltpokalsieger. An vier Weltmeisterschaften hat er teilgenommen, dreimal hat er gewonnen. Als die Selecao bei der WM 1958 in Schweden den Titel holte, war Pelé 17, einen jüngeren Fußballweltmeister gibt es bis heute nicht. In 1363 Spielen schoss Pelé 1281 Tore. Nur sein Landsmann Arthur Friedenreich und der Deutsche Gerd Müller erzielten mehr.

Wo es einen Gott gibt, muss es eine Bibel geben, mögen sich die Chefs von Gloria Books gedacht haben. Das Verlagshaus mit Sitz in London hat soeben eine offizielle Pelé-Autobiografie auf den Markt gebracht: XXL-Format, zwölf Kilo schwer, Leineneinband, der Titel – schlicht Pelé – in Goldprägung, Goldschnitt. Das Buch soll, so heißt es bei Gloria, „die Legende eines der weltberühmtesten Sportler zelebrieren“.

Die inhaltlich bekannten Teile, das Vaterunser gewissermaßen, sind die Kapitel über die WM- Siege. Zu den neuen Offenbarungen dagegen zählt das Kapitel über Pelés modische Vorlieben – mit reichlich Fotos von Pelé im weißen Dreiteiler oder dem hier abgedruckten. Besonders stolz sind die Macher auf das unveröffentlichte Material, zu dem auch Fotos mit Andy Warhol, Beiträge von bekannten Sportautoren wie Hugh McIlvanney und Brian Glanville und Archivmaterial aus Brasilien gehören. Dieses bringt einem den jungen Pelé in seiner Zeit bei Santos, seiner Vereinsmannschaft in Brasilien, näher. Eine Art Werkverzeichnis beschließt das Buch: ein Statistikteil mit allen Spielen und Toren Pelés. Als Mensch ohne Idole hätte man über einige Dinge, die auch zu Pelé gehören, gerne ein paar Sätze mehr gelesen: über Pelés Versuche als Geschäftsmann, die nicht alle so erfolgreich verliefen wie die Fußballerkarriere. Mag sein, dass Anhänger auf derlei verzichten können. Sicher ist, dass dieses Buch nur einen exklusiven Zirkel erreichen wird. Auflage: 2500 Stück weltweit, Preis: 2500 Euro. Marc Neller

Zu kaufen ist das Buch im Quartier 206 in der Friedrichstraße, zu sehen ist es derzeit in der Ausstellung „Pelé Station“ am Potsdamer Platz .

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