Zeitung Heute : Verhaltensforschung: Warum Frauen treu sind

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Die Wiener Verhaltensforscherin Astrid Jütte hat in ihrem "Wartezimmer-Test" Enthüllendes herausgefunden: Während des Eisprungs setzten sich Frauen auffallend oft auf Stühle, die mit Androstenon präpariert waren, einem Abbauprodukt des männlichen Schweiß-Duftstoffs Androstenol. Daraus folgt indes keineswegs zwingend, dass diese Frauen ihren Männern untreu werden. Verhaltensstudien an Menschenaffen haben zwar ergeben, dass Weibchen ihrem Pascha immer wieder fremdgehen, indem sie sich von ihrer Gruppe absondern und von rudelfremden Männchen begatten lassen. Und möglicherweise ist dieser Drang auch bei Frauen noch aktiv: Der britische Sexualforscher Robin Baker hat 25 Jahre lang das Fortpflanzungsverhalten von 10000 europäischen Familien untersucht und kam zu dem Schluss: Durchschnittlich jedes zehnte Kind stammt nicht von dem Mann, der als sein Vater gilt - mit regionalen Abweichungen.

Dennoch muss es etwas geben, was empfängnisbereite Frauen auch dann treu sein lässt, wenn sie optisch und genetisch für sie verlockenderen Männern als ihrem eigenen begegnen. Die weibliche Treue zum Mann schütze in der bestehenden Partnerschaft "ein sicheres Investment", sagt Karl Grammer, Professor für Humanethologie am Ludwig-Boltzmann-Institut für Stadtethologie in Wien. Salopp formuliert: "Was ich habe, das habe ich." Auch kulturelle Faktoren beeinflussten das menschliche Verhalten. Ohnehin sei Frauen ihr verändertes Balzverhalten unter dem Eindruck der Sexualhormone gar nicht bewusst.



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